Blood-&-Honour-Revier

2005 bis heute – Neonazistrukturen in der Region Obersee-Linthtal

17.Oktober 2026 – Tuggen (SZ) – Tötungsdelikt

Im Eventlokal „The Bandits“ findet ein Konzert mit der Deutschrock-Band „Krawallbrüder“ statt. Bereits zu Beginn des Konzerts des Hauptacts fällt eine Personengruppe auf, von denen einige – anhand ihrer T-Shirts –  eindeutig als Mitglieder von Blood & Honour (B&H) Zürich erkennbar sind. Die Gruppe fällt mit rassistischen Äusserungen und Provokationen auf, weswegen sie – nach Ansprache der Band –  vom Sicherheitspersonal des Raumes verwiesen werden. 

Im Nachgang zum Konzert findet im oberen Teil des Eventlokals eine Afterparty statt – unter den Feiernden ist auch die zuvor vor die Tür gestellte Neonazigruppe. Wie sie sich wieder Zugang zu den Räumlichkeiten verschafft hat, ist bisher ungeklärt. Bekannt ist, dass sich die Neonazis dort sehr wohl fühlten und den DJ baten, das Lied „Polackentango“ der Rechtsrock-Band „Landser“ abzuspielen. Eine Bitte, welcher der DJ nachkam. Dies war Auslöser für eine Schlägerei mit tragischem Ausgang: Ein 27-jähriger Partybesucher wurde von einem der rechtsextremen Besuchenden totgeschlagen.1

Das Schweizer Radio und Fernsehen berichtet zehn Tage später aus Tuggen. Vor der Kamera will aber niemand sprechen. Mehrere Leute hätten gesagt, dass der Vorfall in Tuggen kein grosses Thema sei. Gleichzeitig bestätigen offenbar Ansässige, dass das Eventlokal ein beliebter Treffpunkt für Personen aus dem rechtsextremen Milieu ist.2

Das Tötungsdelikt muss in einer Kontinuität von rechtsextremen Aktivitäten und Gewalt in der Region Obersee-Linthtal verstanden werden. Es war wohl hauptsächlich Glück, dass sich eine solch tragische Tat nicht bereits zuvor in dieser Region ereignete. Rechtsextreme Gewalt und Übergriffe rund um den Obersee und im angrenzenden Linthtal gab es schon Jahre zuvor, genauso wie organisierte rechte Strukturen. Deshalb wollen wir an dieser Stelle die tiefe Verankerung des B&H-Netzwerks in der Region rund um den Zürichsee, die Linthebene und die Schwyzer Täler aufzeigen. Die im Folgenden dargestellten Ereignisse sind nicht abschliessend, sondern ein grober Überblick.

Die Anfänge

Spätestens durch die antifaschistische Veröffentlichung von Bildern der Schlachtfeier in Sempach 2008 wurde bekannt, dass es eine B&H-Sektion Zürich gibt, deren Mitglieder auch aus den angrenzenden Kantonen rund um den Zürich- und Walensee stammten.

B&H am Schlachtdenkmal in Glarus 2008
B&H Zürich an der Schlachtfeier in Sempach 2008 (Credit: AAF)

Noch im selben Jahr wurde die rechtsextreme Band „Amok“ um den Sänger Kevin Gutmann und den Gitarristen Thomas Mächler enttarnt3. Gutmann und mit ihm Stefan Schälchli sowie Fabian Gubler, alle aus Hombrechtikon, sind dem Netzwerk bis heute treu geblieben. Schälchli war zeitweise auch Bassist von Amok. Der Gleisbauer Gubler hat sich nach dem Überfall auf die JUSO-Demo in Glarus 2007 merklich von den öffentlichen Anlässen zurückgezogen.

Heimat ist kein virtueller Raum

Bereits in ihren Anfängen steckte die B&H-Sektion Zürich ihr Revier ab. Lokal stark verankert waren und sind die Strukturen im Zürcher Oberland rund um Hombrechtikon, im Linthtal, der March und entlang der A3 Richtung Walensee. In diesen Regionen traten die gleichen Akteur*innen unter unterschiedlichen Labels auf, eröffneten Geschäfte, stehen als Securitys im Einsatz, waren an Schlägereien beteiligt, führten militante Aktionen aus und sind tief ins lokale Dorfgeschehen integriert. Sie sind sehr sichtbar, stören aber anscheinend nicht, sondern werden als Teil der lokalen Gemeinschaft akzeptiert.

This is Hombrechtikon

Die Region Hombrechtikon, Rüti und Wald am Zürcher Obersee ist die Heimatregion wichtiger Exponent*innen von B&H Zürich. Hier sind die Gutmann-Brüder aufgewachsen und teilweise immer noch wohnhaft. Stefan Schälchli, Fabian Gubler, Mathias Iten, André Herold und Roger Mezenen lebten ebenfalls in der Region und kennen sich vermutlich seit ihrer Jugend. Neben „Amok“ verbindet die Männer auch eine Vielzahl teils gewalttätiger Aktionen. Seien dies Angriffe auf linke Demonstrationen oder Schlägereien an lokalen Bar- und Pub-Veranstaltungen. 

Demo in Friedrichshafen 2006. Zu sehen sind Thomas Mächler und Nicola Rigamonti

Hervorzuheben ist hier die JUSO-Demo 2007 in Glarus. An dieser griffen rund 30 vermummte Neonazis die Kundgebungsteilnehmenden an. Auf den Videos sind Männer mit Shirts von B&H und der Band „Amok“ zu sehen, die auf Jugendliche und Journalist*innen einschlagen. Unter den Beteiligten finden sich mindestens vier der oben genannten Aktivisten von B&H Zürich, so auch Gutmann und Mächler. Die danach folgenden Hausdurchsuchungen förderten eine beachtliche Menge an Schusswaffen, Munition und Nazidevotionalien zu Tage.4

In derselben Region ist auch das „Barbarossa Tattoo Studio“ von Ondrej “Ondra” Ciporanov, zeitweise vom Thüringer Neonazi Matthias Melchner geführt, angesiedelt. Erst in Rapperswil (SG), dann in Bubikon (ZH) und aktuell in Tuggen (SZ). Das Tattoostudio war lange Zeit ein wichtiger Ort lokaler Neonazis. Tätowiert wurden einschlägige Motive ohne Fragen – für Freund*innen von nah und fern.5

Melchner war zusammen mit B&H Zürich wiederum massgeblich am Rocktoberfest 2016 im Toggenburg beteiligt. Er hatte die Tennishalle angemietet. Lokale Nachfrage belebt das Geschäft.6

Das „Bandits“ wie auch andere lokale Kneipen im Linthtal sind und waren soziale Treffpunkte dieser Szene. Später, aufgrund von Hausverboten in anderen Lokalen, war es vor allem die „Boomerang Bar“ in Jona. Hier trafen sich Neonazis zum Saufen und Pöbeln. Dabei landeten mehrfach Menschen im Spital7. Inhaber dieser Bar war Manuel Rigamonti, der ebenfalls am „Barbarossa Tattoo“ beteiligt war, und selbst aktiv in dieser Szene verkehrt8. Nicola Rigamonti hingegen führt zusammen mit André Senn ein Abbruchunternehmen9.

In Hombrechtikon ist auch einer der seltenen politischen Auftritte von B&H dokumentiert. 2012 zogen rund 50 Neonazis in einem Fackelumzug durch Hombrechtikon. Dies im Zuge der rechten Mobilisierung zum “Gedenken der Opfer alliierter Luftangriffe auf Dresden 1945”10. 

Fackelmarsch von B&H in Hombrechtikon 2012

Parallel finden sich rund um den Obersee weitere Supporter*innen von B&H. Dazu gehörten unter anderem die Gebrüder Marcel und Peter Steiner sowie Jürg Steiner, Patrick und Fabian Muff, Remo Brunner, Stefan Betschart und Mario Nussbaumer, um nur einige Namen zu nennen.  Bereits seit 2012 tragen sie die „Support B&H“-Pullover mit den roten Flammen immer und überall, sei es beim gemeinsamen Trinken mit Thomas Mächler, Nicola Rigamonti oder dem Mitlaufen mit den B&H/C18-Mitgliedern an Aufmärschen wie beispielsweise der Schlachtfeier in Sempach oder aber im benachbarten Ausland.11

Rund um den Obersee

Auf der anderen Seite schliesst die Region March an den Obersee an. 2009 war in Siebnen (SZ) der Proberaum von „Amok“ beheimatet12, und einzelne Aktivist*innen von B&H lebten in diesem Gebiet. So beispielsweise der damalige Gitarrist von „Amok“, Thomas Mächler, oder die Aktivisten Daniel Wipfli und Claudio Hertig. Sie waren auch massgeblich an der Organisation des Ian-Stuart-Donaldson (ISD) Memorials – dem Sänger der rechtsextremen Band Skrewdriver –  2013 in Ebnat Kappel (SG) beteiligt, keine 30 Autominuten von Hombrechtikon und Siebnen entfernt.13

Flyer für ISD Memorial in Ebnat Kappel 2013
Kameradschaft Heimattreu am abhitlern

Ab 2012 organisierten sich jüngere Neonazis in der Region. Zuerst als loser Zusammenhang von Freunden, traten sie ab 2012 unter dem Label  „Kameradschaft Heimattreu“ (KHT) auf14. Angeführt von Simon Emil Inderbitzin, zählen mindestens Timo Germann, Andy Schnellmann, Roger Nauer, Attila Varga und Peter Giger zu den frühen Exponenten der KHT. Im Laufe der Zeit stiessen Patrick und Fabian Muff sowie Pius Schnellmann dazu. Die pubertierenden Neonazis mauserten sich zur festen Struktur mit beachtlichem Gewaltpotenzial. Sie organsierten Konzerte, Vorträge und zeigten ihre nationalsozialistische Gesinnung offen. Aufgrund der geografischen Nähe erstaunt es nicht, dass die Berührungspunkte zu B&H seit jeher gross waren und es auch personelle Überschneidungen gab. 

Die Kameradschaft Heimattreu in Siebnen (SZ)

Joel Zweifel und Peter Giger traten bereits 2013 mit B&H/C18-Symbolen auf, Inderbitzin und Varga trainierten zusammen mit den B&H-Aktivisten Mario Nussbaumer und Stefan Betschart. Aus den Überschneidungen entwickelten sich bald überlappende Strukturen, und KHT wurde als Support von B&H affiliiert. Gemeinsam reiste die Gruppe an Konzerte in den Osten Deutschlands. Im Rahmen eines von B&H veranstalteten Konzerts in Schönenberg (ZH) 2015 wurde von der KHT neben einer Stadtführung auch ein Schiesstraining für ausgewählte Freunde und ausländische Gäste organisiert.

Neben der strukturellen Arbeit wurde auch liebend gern die Sau rausgelassen – an Dorffesten, an Chilbis und der Fasnacht. In den Medien finden sich viele Hinweise auf randalierende Rechtsextreme, die an der Chilbi im Dorf provozierten oder gar Menschen zusammenschlugen. Gerade die Fasnacht scheint ein Kumulationspunkt für Auseinandersetzungen zu sein. 

2005 griffen Neonazis nach der Fasnacht in Schänis ein Haus, in welchem Geflüchtete leben, mit Steinen an15. Im selben Jahr wurden mehrere Neonazis wegen mehreren Brandanschlägen aus dem Jahr 2003 auf Asylunterkünfte in Siebnen, Euthal und Bäch zu bedingten Gefängnistrafen verurteilt.16

2008 wurde ein Neonazi wegen schwerer Körperverletzung verurteilt, nachdem er in Uznach (SG) eine am Boden liegende Person gegen den Kopf trat.17

2009 wurden in Tuggen bei einer Schlägerei zwischen Neonazis und Besuchenden des „Bar und Pub“, dem heutigen „The Bandits“, mehrere Personen verletzt18. Medienberichte bagatellisierten dies als harmlose “Keilerei”19. 2010 schlugen dann vermummte Rechtsextreme mehrere Menschen am Lismerball in Schwanden (GL) spitalreif20. Trauriger Höhepunkt bildete der Angriff von Roger Nauer an der Dörfli-Fasnacht 2014 in Schübelbach (SZ), bei welchem eine Person lebensgefährlich verletzt wurde21. Roger Nauer wurde Mitte 2015 wegen dieses und anderen Delikten zu insgesamt 30 Monaten Gefängnis verurteilt. 2017 wurden an mehreren Orten Combat18-Sprayereien hinterlassen und Transparente mit der Aufschrift “Tötet Juden” angebracht22. 2018 wurden in Eschenbach (SG) die Turnhallen und das Schulhaus mit rassistischen Parolen beschmiert. In Filzbach (GL) fand im 2018 eine Tagung der Reichsbürgerbewegung statt23.

Flyer fürs Rocktoberfest 2016
V.r.l Stefan Jud und Uwe Veljaca

Das „Rocktoberfest“ im Jahr 2016 in Unterwasser (SG) wurde massgeblich von den Zürcher-Strukturen  mit den befreundeten B&H-Strukturen aus dem nahen österreichischen Vorarlberg mitorganisiert. Die freundschaftlichen Bande gehen auf Anfang der 2000er-Jahre zurück und reichen bis heute. Die gewalttätigen Neonazis um Anführer und Geschäftemacher Uwe Veljaca kommen auch gerne an den Obersee zu Besuch, sei es um Organisatorisches zu besprechen oder einfach um eine gute Zeit unter Freund*innen zu verbringen.

Germann, Seiler, Kamer und Schnellmann als Ordner bei der PNOS Demo in Basel 2018

Bei der von der PNOS (Partei nationalorientierter Schweizer) organisierten Platzkundgebung Ende November 2018 in Basel marschierten die KHT-Mitglieder Timo Germann und Andy Schnellmann Seite an Seite mit dem B&H-Zürich-Mitglied Marc Seiler auf. Die KHT zeichnete offenbar für den Sicherheitsdienst der geplanten Kundgebung verantwortlich.

Video der KHT mit B&H Pullovern zu der Aktion in Schwyz

2019 provozierte in Schwyz eine Fasnachtsgruppe als Ku-Klux-Klan verkleidet einen medialen Eklat24. Im Nachgang wurde zu einer Demo “Schwyz ist Bunt” aufgerufen, die massgeblich von der KHT und dem weiteren B&H-Umfeld angegangen wurde. Vor Ort kam es zu Zusammenstössen mit der antirassistischen Kundgebung. Bereits vor Demobeginn entwendete die KHT das Fronttransparent. Sie liessen es sich nicht nehmen, ein Video des brennenden Transparents auf Social Media zu posten und einmal mehr klarzumachen, dass nach ihrer Auffassung die Neonazis im Kanton Schwyz das Sagen haben.25

Germann als Security bei der Fasnacht
Von Glas zu Glaz zu Besuch im Tanzboden Unteriberg
V.r.l Rigamonti und Steiner als Security beim Tanzboden Unteriberg

Neben dem eingangs erwähnten Bandraum verfügten Neonazis in der weiteren Region und daran angrenzend über diverse Rückzugsorte. In Unteriberg (SZ) stand ihnen der „Tanzboden“ von André Senn zur Verfügung, hier waren auch diverese Neonazis als Securitys  beschäftigt. Bestätigt sind Jürg Steiner und Nicola Rigamonti; mutmasslich konnten hier aber auch weitere B&H-Mitglieder ihre Gewaltkompetenz unter Beweis stellen. Auch in Ybrig (Muothatal/SZ) gab und gibt es eine fixe Lokalität rund um Fanny Mazard und die „Brigade8“, die für und von Neonazis betrieben wurde26. Des Weiteren trainieren junge und alte Neonazis heute in einem Gym, in dem der „Active Club“ auch schon Kämpfe ausgetragen hat27. „Antagonist“ und „Amok“ verfügen über einen gemeinsamen Band- und Aufnahmeraum in der Region28.

B&H Raum in der Region Hochybrig (Muothatal/SZ)

Solche Eskalationen sind nur möglich, wenn sie lokal akzeptiert werden. Alltäglicher Rassismus und etablierte Parteien befeuerten diese Eskalation. Ein SVP-Exponent aus Bubikon (ZH) postete beispielsweise 2017 ein Video mit der Tagline «Asyl? Aber sicher nicht in Bubikon, du Scheiss-N….»29. Ein Parteikollege aus dem Wägital kommentierte einen Medienartikel “Das einzige was wieder nach Deutschland gehört ist ein neuer Onkel Dolf”30 [sic!], und an der Corona-Demo 2021 in Rapperswil verglich ein SVP-Kantonsrat die Massnahmen direkt mit dem Holocaust31. An Fasnachten in der Region werden immer wieder rassistische Parolen und Motive gezeigt. Die Männer in Springerstiefeln verstehen sich mehr als Vollstrecker der Mehrheitgesellschaft, denn als Randgruppe.

Politischer Aktivismus – die NAF

Ein von B&H geprägter Zusammenhang ist auch die 2014 gegründete Vernetzungsplatform „Nationale Aktionsfront“ (NAF)32. Neben Schlachtfeierlichkeiten in Sempach (LU) und Morgarten (SZ) organisiert sie auch Events33. Das „Völkische Forum“ fand 2019 in einer Berghütte in Galgenen (SZ) statt. Vor knapp hundert Gästen traten verschiedene Redner aus der Schweiz und Deutschland auf34. Im Oktober 2020 organisierte die NAF in der Region March ein Publicviewing des rechtsextremen Kampfsportevents „Kampf der Nibelungen“ (KdN). Bereits im Frühling hatte Simon Inderbitzin als „Aktivist der NAF“ dem KdN ein Interview gegeben. 2020 gab die NAF mit einem aufwendig geschnittenen Video die Gründung ihrer Jugendgruppe  „Junge Tat“ (JT) bekannt35. Die „Junge Tat“ steht für den Versuch der NAF, die nationalsozialistische Ideologie bei Jungen wieder attraktiv zu machen. Die klandestin agierende Neonazi-Szene hatte den Anschluss an die Jugend verloren. Die Gründung erfolgte gemeinsam mit den Winterthurer Kleingruppen NJS und „Eisenjugend“ um Manuel Corchia und Oliver Rothacher. Massgeblich am Aufbau beteiligt waren NAF-Kopf und Aargauer B&H-Member Marc Seiler und die ehemaligen KHT-Mitglieder Simon Inderbitzin, Timon Germann und Andreas Schnellmann. Mit der Gruppe unterwegs waren aber auch Pius Schnellmann, David Kamer, Newil Bleiker und Simon Messmer. 2022 kam es zum Bruch mit der NAF, da sich die Gruppe um Corchia weg von der NS-Aufmachung hin zur von den NAF-Kadern belächelten „Identitären Bewegung“ entwickelt hatte.36 

Völkisches Forum der NAF 2019

Dies hielt die jungen B&H-Neonazis aber nicht davon ab, im Dezember 2024 einen von der „Jungen Tat“ organisierten Vortrag von AfD-Politikern in Kloten (ZH) zu besuchen.37

Neue Labels, Kampfsport und Rechtsrock als Betätigungsfeld

Die jüngsten Entwicklungen in der Region stellen das Auftreten der B&H-Sektion Zürichsee und zweier „Active Clubs“ (AC) dar. Mit der B&H-Sektion Zürichsee gibt es nun eine geografisch grösser definierte B&H-Sektion, die auch die Schwyzer Seite des Obersees einschliesst. In ihr finden sich die bekannten Gesichter, die nun unter dem neuen Label geeint auftreten. 

B&H und Active Club in ihrem Traingsraum

Mitte August 2025 hatte die Rechtsrockband „Amok“ nach langer Zeit wieder einen öffentlich angekündigten Auftritt. Am „Nordic-Sun Fest“ in Budapest stand die Band in neuer Besetzung auf der Bühne. Neben dem Sänger Kevin Gutmann und dem langjährigen Bandmitglied Jürg Steiner spielte Newil Bleiker Gitarre, und Oliver Rothacher sass am Schlagzeug. 2026 folgten zudem drei Konzerte in Thüringen.38

„Bruderbund“ Booklet der Band Amok
Bleiker beim Kraftsport im Antagonist Shirt

Der leidenschaftliche Musiker Bleiker ist auch Teil des neusten Schweizer Musikprojekts aus dem Hause B&H, der Beatdown-Hardcore-Band „Antagonist“, deren Debütalbum gleich vom gewichtigen B&H-Rechtsrocklabel „OPOS-Records“ veröffentlicht wurde. Im gemeinsamen Musikvideo mit der deutschen Kleidermarke „Homefront“ gibt Timo Germann seine Kampfsport-Skills zum Besten. Bei Bleiker und Germann handelt es sich auch um die zwei Neonazis, welche wegen der Organisation eines Neonazikonzerts im Jahr 2022 in Rüti (ZH) mit der deutschen C18-Band „Oidoxie“ vom Bezirksgericht Hinwil verurteilt wurden. Beim Konzert mit internationalem Publikum wurde die Nachbarschaft von “Sieg Heil”-Rufen aufgeschreckt.39

Wo die beiden Bands sonst noch so auftraten, ist unklar, da die meisten Konzerte im Geheimen organisiert werden und nur Eingeweihte Zutritt erhielten. So auch das letzte bekannte Neonazi-Konzert in der Bündner Gemeinde Thusis, welches dem inneren B&H-Zirkel aus der Deutsch- und Westschweiz, aber auch Kadern aus dem Ausland vorbehalten war. Die wenigen Aussenstehenden wurden über einen Parkplatz in Schänis (SG) nach Thusis gelotst. Mitorganisiert wurde das Konzert von den Brüdern Peter Steiner aus Schänis, welcher die Eventhalle anmietete, und Marcel Steiner aus Mels, welcher den Ticketverkauf abwickelte.40

Neben der Musik betreibt die Gruppe um Bleiker auch sehr aktiv Kampf- und Kraftsport. Timon Germann stieg mehrmals bei neonazistischen Kampfsportevents als Kämpfer in den Ring. So beispielsweise 2023 bei der “European Fight Night” in Ungarn oder 2024 beim “Day of Glory” im Nordosten Frankreichs.41

Germann an der European Fight Night in Ungarn (credit: exif recherche)

Aus diesem Personenkreis entstand vor kurzem der „Active Club Zürich“, der mit den weiteren Clubs in der Schweiz, aber auch im Ausland vernetzt ist. Bilder von Trainings auf Sportplätzen und im privaten Trainingsraum zeigen, dass der „Active Club“ sehr eindeutig mit B&H verwoben ist. Gemeinsam mit den jüngeren dürften auch viele der altgedienten B&H-Mitglieder an ihrer Kampftechnik feilen. 

B&H an der Demo von Massvoll 2026

Auch auf der Strasse tritt die B&H-Zürichsee-Truppe in Erscheinung. So zuletzt am 9. Mai 2026 in Luzern an einer von der rechtsextremen Bewegung „Massvoll“ organisierten Kundgebung42. Neben einer wilden Mischung von Menschen aus rechtsextremen Zusammenhängen und dem Überbleibsel der Coronaleugner*innen liefen Newil Bleiker, David Kamer und Roger Nauer, einheitlich in B&H-Shirts gekleidet, mit. Die drei waren mit den jüngeren Neonazis der „Schweizer Nationalisten“ und des „Active Club Helvetia“ unterwegs. Gemeinsam mit der Gruppe nahm auch Roger Mezenen, altgedientes Mitglied des Zürcher Ablegers, an der Demonstration teil.

Ein Ereignis am Nachmittag des 17. Oktobers 2026 zeigt nochmals eindrücklich auf, wie unbehelligt die rechtsextremen Strukturen in Schwyz agieren können: Keine zwölf Stunden nach der Schlägerei im „Bandits“ griffen vermummte Neonazis die kommunistische „Wanderjugend Schweiz“ während eines Ausflugs auf den Grossen Mythen an.  Auf dem Telegram-Kanal der NAF prahlten die Rechtsextremen mit ihrer Aktion. Einmal mehr sollte klargestellt werden, dass Linke in ihrem Revier nichts verloren haben.

Quellen

  1. https://www.blick.ch/schweiz/zentralschweiz/schwyz/totschlaeger-von-tuggen-ist-ein-blood-and-honour-nazi/tlk6xpd ↩︎
  2. https://www.srf.ch/news/schweiz/toetungsdelikt-in-tuggen-mutmasslicher-taeter-soll-mitglied-von-neonazi-netzwerk-sein ↩︎
  3. https://www.antifa.ch/amok/ ↩︎
  4. https://www.glarus24.ch/artikel/rechtsextreme-greifen-friedliche-kundgebung-massiv-an-242569/
    https://www.glarus24.ch/artikel/achtzehn-mutmassliche-rechtsextreme-straftaeter-243294/
    https://www.youtube.com/watch?v=KTIVrzPircc ↩︎
  5. https://www.antifa.ch/barbarossa-tattoo-studio/
    https://www.antifa.ch/neonazi-ta%cc%88towierer-sticht-jetzt-in-bubikon/ ↩︎
  6. https://www.antifa.ch/rocktoberfest-als-solidaritatsanlass-fur-thuringer-schlagernazis/
    https://www.antifa.ch/das-rocktoberfest-in-unterwasser-sg-5000-neonazis-feiern-ungestort/ ↩︎
  7. https://www.antifa.ch/rock-faustschlage-und-patriotische-tendenzen/ ↩︎
  8. https://www.antifa.ch/das-braune-netzwerk-von-ruti-zh-·-die-netten-nazis-von-nebenan/ ↩︎
  9. https://www.moneyhouse.ch/de/company/rigase-gmbh-11986110851 ↩︎
  10. https://www.antifa.ch/ein-fackelzug-mit-spaetwirkung/ ↩︎
  11. https://exif-recherche.org/?p=4399
    https://exif-recherche.org/?p=6351 ↩︎
  12. https://www.antifa.ch/hombrechtikon-polizei-enttarnt-neonazi-band-mit-mitgliedern-vom-zurichsee/ ↩︎
  13. https://www.antifa.ch/rechte-konzerte-im-landlichen-osten-der-schweiz/
    https://www.antifa.ch/bhc18-militante-musik-netzwerke/ ↩︎
  14. https://www.antifa.ch/kameradschaft-heimattreu/ ↩︎
  15. https://hans-stutz.ch/meldungen-zu-rechtsextremismus-und-rassismus-in-der-schweiz?year%5D=2005 ↩︎
  16. https://www.antifa.ch/mit-bedingter-gefangnisstrafe-davongekommen/ ↩︎
  17. https://www.antifa.ch/kaltbrunnuznach-erste-gerichtsverhandlung-zur-massenschlagerei-vom-kaltbrunner-jahrmarkt-07/ ↩︎
  18. https://www.antifa.ch/tuggen-ein-besucher-des-lbar-a-pubr-schildert-seine-sicht-der-schlaegerei-vom-sonntag/ ↩︎
  19. https://www.antifa.ch/kaltbrunnuznach-erste-gerichtsverhandlung-zur-massenschlagerei-vom-kaltbrunner-jahrmarkt-07/
    ↩︎
  20. https://www.antifa.ch/rechtsradikale-schlugen-am-lismerball-person-spitalreif/
    https://www.antifa.ch/glarner-nazi-skins-feiern-sich-mit-video-auf-youtube/
    https://www.antifa.ch/kapo-ermittelt-wegen-angriff-am-lismerball/ ↩︎
  21. https://www.antifa.ch/innerschweiz-neonazis-schlagen-bei-dorffesten-zu/ ↩︎
  22. https://www.gra.ch/chronology/2017_17/
    https://www.antifa.ch/polizei-ermittelt-gegen-neonazis/ ↩︎
  23. https://www.gra.ch/chronology/2018_43/ ↩︎
  24. https://www.antifa.ch/das-militante-netzwerk-hinter-dem-schwyzer-ku-klux-klan/
    https://www.antifa.ch/schockvideo-von-schwyzer-fasnacht-informant-sagt-unter-den-ku-klux-klan-kutten-stecken-neonazis/ ↩︎
  25. https://www.antifa.ch/vom-fasnachtsspuk-zum-auftritt-eines-bewaffneten-netzwerkes-eine-chronologie/
    https://www.antifa.ch/im-pulk-mit-40-neonazis-svp-politiker-attackierte-demo-gegen-rassismus/ ↩︎
  26. https://www.antifa.ch/rechtsextreme-in-schwyz-kein-zufall/ ↩︎
  27. https://www.srf.ch/news/schweiz/extremismus-schweizer-verbreiten-propaganda-von-neonazi-terrorgruppe ↩︎
  28. https://www.antifa.ch/20-jahre-amok-kein-grund-zum-feiern/ ↩︎
  29. https://www.watson.ch/schweiz/rassismus/941286890-affaere-um-scheiss-neger-politiker-tritt-aus-der-svp-aus ↩︎
  30. https://www.gra.ch/chronology/2019_35/ ↩︎
  31. https://www.gra.ch/chronology/2021_73/ ↩︎
  32. https://www.antifa.ch/nationale-aktionsfront-naf/ ↩︎
  33. https://www.antifa.ch/medienmitteilung-der-antifa-bern-zur-rechtsradikalen-gedenkfeier-zur-schlacht-bei-sempach-organisiert-von-der-nationalen-aktionsfront-naf/ ↩︎
  34. https://www.antifa.ch/wo-neonazis-in-ruhe-hassen-duerfen/ ↩︎
  35. https://www.antifa.ch/die-extreme-rechte-in-der-schweiz/ ↩︎
  36. Weitere Infos zur Jungen Tat: https://nazifrei.org/ ↩︎
  37. https://www.antifa.ch/kloten-zentrum-schluefweg/ ↩︎
  38. https://www.antifa.ch/20-jahre-amok-kein-grund-zum-feiern/ ↩︎
  39. https://www.nzz.ch/zuerich/rechtsextreme-in-schweiz-der-mann-hinter-einem-der-groessten-neonazi-konzerte-ld.1864957 ↩︎
  40. https://www.instagram.com/reel/DXhiwBhDgGR/
    https://www.suedostschweiz.ch/graubuenden/grosserrat-3-tag-der-rat-diskutiert-im-nachgang-zum-neonazi-treffen-in-th-2195295 ↩︎
  41. https://exif-recherche.org/?p=10966 ↩︎
  42. https://www.blick.ch/schweiz/zentralschweiz/luzern/demo-in-luzern-mass-voll-und-rechtsextreme-mobilisieren/bktxznw ↩︎