White Rex – die Marke


Die Kampfsport-Marke «White Rex» wurde von Denis Kapustin, besser bekannt unter dem Namen Denis Nikitin, 2008 gegründet. Vertrieben wird die Kleidung von der fighttex AG in der Schweiz, deren Inhaber der Hammerskin und PNOS-Vizepräsident Florian Gerber ist. Die Hälfte des Aktienkapitals stammt zudem vom Schweizer Unternehmer Peter Patrik Roth, welcher eng mit der rechtsextremen Szene verbandelt ist.

White Rex – was in erster Linie als Kleidermarke gegründet worden ist, steht mittlerweile für ein ausgeklügeltes Neonazinetzwerk. Das erste Logo der Kleidermarke zeigte einen stilisierten Kämpfer vor dem Hintergrund eines Kolovrat (zwei übereinandergelegte abgerundete Hakenkreuze). Mittlerweile verwendet das Label auch noch ein anderes – unverfänglicheres – Logo, welches zwei gekreuzte Blitze zeigt, in den so entstandenen vier Feldern stehen die Buchstaben WTRX. 
 
Doch wie bereits eingangs erwähnt steht White Rex für viel mehr als nur eine Marke oder Unternehmen: White Rex organisierte 2011 in Russland erste Kampfsportturniere unter dem Motto «Der Geist des Kriegers». Hier gilt es festzuhalten, dass diese Kämpfe in den sozialen Medien sehr offensiv und öffentlich beworben wurden – ein ungewöhnliches und für hiesige Neonazis kaum vorstellbares Vorgehen. Schnell zogen die Turniere sehr viele Zuschauer*innen an und wurden zunehmend professioneller organisiert und durchgeführt. 2013 expandierte Kapustin sein erfolgreiches Projekt nach Westeuropa und organisierte in Zusammenarbeit mit Casa Pound und anderen rechtsextremen Organisationen Kampfsportveranstaltungen mit und für Rechtsextreme.
 
Die besten der Kämpfer*innen wurden in das White Rex-Profiteam aufgenommen; Kapustin selbst nennt sie «Krieger». White Rex als Philosophie lehnt die moderne Gesellschaft ab, propagiert eine aggressive, gesunde weisse Männlichkeit, die konservativ und rassistisch geprägt ist. White Rex ist also Philosophie und Lifestyle in einem und stiess zuerst im Osten Europas auf fruchtbaren Boden, Kapustin ist eine Schlüsselfigur in der rechtsextremen Kampfsportszene. Unter dem Label White Rex kämpfen mittlerweile eigene Fight-Teams (beispielsweise aus Tschechien und Russland) unter anderem am Neonazikampfsportevent Kampf der Nibelungen (siehe unten). Kapustin selbst bietet ebenfalls unter diesem Label Kampfsport-Trainings an.


Der Gründer Denis Kapustin (alias Denis Nikitin)
 
Denis Kapustin hat sich durch seine Umtriebigkeit mittlerweile ein feines, internationales Netz an Beziehungen gesponnen. Er selber tritt nicht nur als Organisator und Initiator verschiedener Anlässe auf, sondern kämpft auch gerne selber. So beispielsweise anlässlich des Kampfs der Nibelungen (KdN) 2017 und 2018. Nach der Teilnahme am KdN 2018 ist Kapustin in den sozialen Medien von der Bildfläche verschwunden, die Facebook-Profile von White Rex und sein eigenes wurden eingestellt; auch die Domain white-rex.com war zeitweise nicht mehr erreichbar.

Heute lebt Kapustin in Kiew (UKR) und agiert von dort aus, sofern er nicht durch Europa reist. Häufig gastiert Kapustin im Reconquista-Club, der Restaurant und Sportcenter in einem ist. Der direkt mit dem rechtsextremen Azov-Batallion in Verbindung stehende Club dient der rechtsextremen Szene Kiews als Treffpunkt und zieht Besucher*innen über die Grenzen der Ukraine hinaus an. Es stehen unter anderem jeden Freitagabend MMA-Kämpfe auf dem Programm, die von Kapustin mitorganisiert werden.

Die Nähe Kapustins zum Azov-Batallion wird für aufmerksame Beobachter*innen immer offensichtlicher. So fand beispielsweise 2017 im Rahmen des NSBM-Festivals «Asgardsrei» eine Konferenz unter dem Titel «Pact of Steel» in einem Gebäude des Natioanl Corps, Azovs parteipolitischem Arm, am Maidan statt. Kapustin war dort nicht nur als Teilnehmer zugegen, sondern leitete auch einen Workshop zu «Verteidigung und Strassenkampf». Olena Semenyaka, ambitionierte Koordinatorin der Abteilung für Internationale Beziehungen von Azov Reconquista, fungierte als Rednerin und Organisatorin zugleich. Im 2018 häuften sich die Auftritte beider an verschiedenen Konferenzen, um das Konzept von Reconquista Europe (verkürzt: heute die Ukraine, morgen Russland – und dann Europa) zu verbreiten. Sofern es Semenyaka selbst nicht möglich sei, übergebe sie ihre Aufgabe, die Ideologie von Azov global bekannt zu machen, teilweise an Kapustin –  dieser scheint also quasi als inoffizieller Azov-Botschafter zu fungieren.
 
In den internationalen Medien war Kapustin zuletzt nach den Hooliganausschreitungen in Marseille rund um die Fussball-EM 2016, bei welchen er als Anführer aufgetreten und als solcher geoutet worden war, präsent. Kapustin, ursprünglich Jaroslavka Hooligan von ZSKA Moskau (CSKA), hat in Köln studiert und spricht fliessend deutsch. Die Verbindung nach Köln ging soweit, dass er zusammen mit den Hooligans vom FC Köln Kämpfe bestritt. White Rex produzierte und vertrieb unter anderem auch ein T-Shirt, welches die deutsche Polizei nach dem Übergriff von Kölner und Dortmunder Hooligans auf einen Union Berlin Fanbus beschlagnahmte.  

Die Fährte führt in die Schweiz

Die Website des Labels White Rex, über welche verschiedene Kleidungsstücke, Anstecker, Anhänger und ähnliches Merchandise bestellt werden kann, war von 2010 bis 2018 unter white-rex.com erreichbar. Doch auch die Domains white-rex.at und white-rex.net wurden bereits im Jahr 2016 durch den Oberwalliser Neonazi und Blood&Honour-Mitglied Silvan Gex-Collet registriert. Am 23.01.2018 wurde die Domain definitiv auf white-rex.net gewechselt. Der aktuelle Halter der Domain ist unbekannt, Kaufabwicklungen der Waren werden hingegen durch die fighttex ag durchgeführt. Diese wiederum läuft laut zefix.ch auf den Schweizer Hammerskin und PNOS-Vizepräsidenten Florian Gerber. Auch der Versand scheint nun über die Schweiz abgewickelt zu werden. Die Website verschwand kurzzeitig wieder von der Bildfläche, da die Domain scheinbar nicht bezahlt worden war.

Selbstverteidungsseminare mit der PNOS

Kapustin ist nicht nur virtuell mit der Schweiz verbandelt: mindestens zweimal war er in den letzten Jahren Gast der Partei National Orientierter Schweizer PNOS, mit welcher er Selbstverteidigungsseminare durchgeführt hat, um die hiesigen Rechtsextremist*innen für den «Ernstfall» zu trainieren. Die Besuche Kapustins in der Schweiz während der Selbstverteidigungsseminare wurden mutmasslich auch genutzt, um die Verschiebung der Vertriebsstrukturen von White Rex in die Schweiz vorzubereiten. Die fighttex AG wurde am 27. Januar 2017, wenige Tage nach der Registrierung der Domain white-rex.net, im Handelsregister eingetragen. Wiederum einige Tage darauf fand das «PNOS Selbstverteidigungsseminar mit White Rex II» mit Denis Kapustin in der Schweiz statt. Florian Gerber war an beiden Selbtsverteidigungsseminaren als Teilnehmer zugegen, was auf den durch die PNOS veröffentlichten Videos ersichtlich ist.

Weitere Kampfsportübungen in Europa abzuhalten dürfte Kapustin in Zukunft allerdings etwas erschwert werden: Ende August 2019 verhängten die deutschen Behörden eine vorbeugende Einreisesperre für den gesamten Schengenraum gegen ihn. Die nicht ganz alltägliche Begründung sind Kapustins «Bestrebungen gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung».
 
Wer steckt hinter der fighttex AG?

Als einzige eingetragene Person der Firma fungiert Florian Gerber. Die Firma hatte den Sitz zuerst am Alleeweg 2 in Lotzwil gemeldet, am 26. November 2018 – pünktlich auf den Umzug der White Rex-Website – wurde das Domizil neu am Meisenweg 3 in Lotzwil gemeldet, der aktuellen Wohnadresse Gerbers.

Florian Gerber, Jahrgang 1989, wuchs in der Ostschweiz, unter anderem in Kalthäusern (TG), auf. Bereits in seiner Jugend knüpfte er Kontakte in die rechtsextreme Szene. Anschluss fand er damals bei den Hammerskins, die bereits seit den Gründungsjahren in den 1990ern fest in der Ostschweiz verankert sind. Nach seinem Umzug ins Mittelland, das Kerngebiet der PNOS, hat es Gerber mittlerweile bis zum stellvertretenden Parteipräsidenten geschafft. Zuvor war er in der Partei als Jugendbeauftragter beschäftigt und rief als solcher 2017 die Jugendorganisation Gipfelstürmer der Partei ins Leben. Zeitweise war er auch der Vorsteher der Glarner Kantonalsektion der PNOS. Seine Laufbahn bei den Hammerskins ist indes einiges schwieriger zu verfolgen, da das elitäre Netzwerk eher konspirativ agiert. Doch zumindest seit 2012 ist Florian Gerber «Member» des Schweizer Chapters und gelangte durch die Mitgliedschaft automatisch in Kontakt mit wichtigen Akteur*innen der internationalen extremen Rechten, unter anderem auch im Bereich Kampfsport.


Schweizer Unternehmer als Financier

Im September 2019 wurde bekannt, dass 50% des Aktienkapitals der fighttex AG aus dem Fundus von Peter Patrik Roth, CEO des traditionsreichen Familienunternehmens Roviva in Wangen a.A., stammen. Weitere 50’000 CHF wurden vom bislang unbekannten Dominik Altmann finanziert. Roth ist ein enger Freund von Gerber und zeigt sich in den sozialen Medien gerne in Kleidungsstücken von White Rex oder postet als «Pesche Schweizer» Fotos seines privaten Krafttrainings. Die Firma fighttex AG stellt für Roth jedoch nicht nur eine praktische Wertanlage dar, vielmehr treibt er sich selbst seit vielen Jahren in der rechtsextremen Szene um. So bereiste er auch schon Russland, wo er sich unter anderem mit Kapustin traf. In seinem Freundeskreis finden sich zudem unzählige Hammerskins und auch Mitglieder der (mittlerweile aufgelösten) Legion Werwolf Schweiz.