Ahnensturm

Seit Januar 2015 verfügt die Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) offiziell über einen eigenen Sicherheitsdienst. Sowohl Name wie auch Inhalte sind bewusst provokativ gewählt: «Ahnensturm» nennt sich der Schlägertrupp, kurz AS. Die Ähnlichkeit des Kürzels zur ehemaligen Sturmabteilung SA der NSDAP dürfte kein Zufall sein. Die SA war in den 1920er-Jahren zuerst als Ordnungsdienst für den «Schutz» der Versammlungen der NSDAP zuständig und entwickelte sich schnell zu einer paramilitärischen Organisation, welche systematisch Kritiker und Gegner der NSDAP einschüchterte und terrorisierte.

Obwohl der Ahnensturm nicht im Geringsten mit der SA verglichen werden kann, ergeben sich zumindest bei der Zielsetzung der beiden Organisationen bedenkliche Parallelen. So nennt auch der Ahnensturm den Schutz der Veranstaltungen der PNOS sowie den Schutz von wichtigen Personen der PNOS als Kern seiner Aufgaben. Um diese Ziele zu erreichen, sollen sich die Mitglieder geistig und sportlich fit halten. Kampfsportkurse und 24-Stunden-Überlebenstrainings gehören ebenso zum Programm wie interne Bildungsveranstaltungen. Dass die Organisation vor allem als rechtsextreme Schlägertruppe fungieren soll, bezeugt die Wortwahl auf ihrer Website: Aufgenommen solle nur werden, wer «kampfbereit» und gewillt sei, «für die Partei alles zu geben», denn bei ihren Einsätzen könne es durchaus auch zu Konfrontationen kommen. Das aggressive Vokabular wird durch militärisches Strammstehen und Uniformierung mit Ahnensturm-Shirts untermalt.

Tätigkeitsfeld für den Partei-Nachwuchs

Die PNOS scheint mit dem Ahnensturm die Lücke schliessen zu wollen, welche mit dem Verschwinden der Helvetischen Jugend und anderer freien Kameradschaften entstanden ist. Kämpferisches Vokabular, pathetisch-patriotisches Bildmaterial und eine Prise Heimlichtuerei sollen junge Leute ansprechen und die staubige Parteiarbeit attraktiver erscheinen lassen. Aufgebaut wurde der ideologisch indoktrinierte Schlägertrupp vom bislang eher unbekannten Seeländer Neonazi Cedric Stoller, welcher gleichzeitig das PNOS-Infoportal Seeland verwaltet. Es erstaunt denn auch nicht, dass sich in den Reihen der Interessenten auffallend viele junge Burschen aus dem Berner Seeland finden. Stoller trat mit seiner Funktion in die Fussstapfen des aus Tentlingen FR stammenden André Gauch. Dieser begründete 2003 die erfolglose PNOS-Sektion Freiburg und amtete von 2005 bis 2010 als Sicherheitsverantwortlicher im fünfköpfigen Bundesvorstand der PNOS. Gauch demonstrierte seine Gesinnung unter anderem durch verbale antisemitische Ausfälle sowie die Veräusserung von NS-Devotionalien in einschlägigen Internetforen. Nach seiner zweiten Verurteilung wegen Verstosses gegen die Antirassismusstrafnorm zog sich Gauch allerdings aus der Öffentlichkeit zurück.

Auch Stoller hat sich mittlerweile aus der ersten Reihe zurück gezogen und die operative Leitung des Ahnensturms im Sommer 2016 an Benjamin Rohde, langjähriges Mitglied der Langenthaler Neonazi-Szene, übergeben.

Kaum nennenswerte Einsätze

Den ersten offiziellen Einsatz hatte der Ahnensturm gemäss eigenen Angaben am Buurezmorge der PNOS zum 1. August 2015, den Zweiten beim 15-Jahre-Jubiläum der PNOS am 7. November 2015 in Zell LU. Doch ungeachtet der markigen Worte war von den Ahnenstürmern beiderorts kaum etwas zu sehen – sie beschränkten sich auf organisatorische Aufgaben wie das Weiterleiten der Autos am Schleusepunkt und das Einweisen der Autos am Veranstaltungsort. Am Wochenende des 13. und 14. Februar 2016 wurde der erste der angekündigten Kampfsportkurse durchgeführt. Laut Angaben der PNOS nahmen rund 60 Personen in der Region Zürich an einem Selbstverteidigungsseminar teil, welches von dem aus Russland angereisten Rechtsextremisten Denis Nikitin, Begründer der Bekleidungsmarke «White Rex», geleitet wurde.

Wie schon am Buurezmorge und dem 15-Jahr-Jubiläum stellte der Ahnensturm an der Gründungsversammlung der Ostschweizer PNOS-Sektionen am 22. Oktober 2016 im Restaurant Löwen im sankt-gallischen Kaltbrunn und am Parteitag am 12. November 2016 im Schützenhaus in Langnau bei Reiden LU wiederum den Sicherheitsdienst. Anstatt, wie laut Zieldefinition vorgegeben, die Partei und ihre Mitglieder vor allfälligen Angriffen zu schützen, konnte sich der Ahnensturm erneut auf die triviale Aufgabe des Einweisens der Autos konzentrieren. Als Level 2 der harten Aufgaben darf wohl das Handling der zahlreich anwesenden Journalisten angesehen werden. So hatten Benjamin Rohde und Cedric Stoller sichtlich Mühe, ihre sicherheitsdienstliche Autorität ohne Gewaltanwendung effektiv geltend zu machen und die Schreiberlinge vom Platz zu verweisen.