Zu wenig Hilfsangebote für die Opfer

Der Bund

RASSISMUS

/ In der Schweiz gibt es laut der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (ERK) zu wenig Anlaufstellen für Opfer von Rassismus im Alltag. Grosse Lücken bestünden vor allem in der Innerschweiz und den Randregionen, kommt eine ERK-Studie zum Schluss. So verfügt zum Beispiel der Kanton Appenzell über keine Anlaufstelle.

ap/sda. Die ERK sieht Handlungsbedarf bei leicht zugänglichen, fachlichen Einrichtungen, an die sich Personen wenden können, die im Alltag und in Abhängigkeitsverhältnissen von rassistischer oder fremdenfeindlicher Diskriminierung betroffen sind. Beratung sei dort am sinnvollsten, wo die Fachpersonen mit der lokalen Situation vertraut seien und die Umstände der Diskriminierung kennten.

Grosse Lücken im Angebot bestünden vor allem in der Innerschweiz und den Randregionen, wo der Zugang und die Effizienz des Angebots mangelhaft sei. Generell bemängelt die Studie ein tiefes Niveau der angebotenen Leistungen. Die Qualität könne verbessert werden durch den Einbezug von Personen, die einen Migrationshintergrund hätten. Diese Menschen suchten auch am häufigsten Beratungsstellen auf, wobei Frauen leicht übervertreten seien. Weniger gefragt seien Beratungen von Schülern und religiösen Minderheiten.

Aus- und Weiterbildung

Die ERK fordert auch bessere Aus- und Weiterbildung für das Fachstellenpersonal. Empfohlen wird zudem eine bessere Vernetzung der bestehenden Anlaufstellen untereinander und mit gleich gesinnten Organisationen. Die Mehrheit der in die Studie einbezogenen Anlaufstellen weist keine Spezialisierung im Rassismusbereich auf. Je nach Gründungsjahr der insgesamt 132 Institutionen variieren Aktivitäten und inhaltliche Ausrichtung. In die Studie einbezogen wurden staatliche, kirchliche und gewerkschaftliche Stellen, psychologische Dienste, Ausländerberatungsstellen, Beratungsstellen für Asylsuchende und Frauen sowie Stellen, die sich spezifisch mit Rassismus, Mediation und Interkulturalität befassen. Letztere wurden meist erst in den 90er-Jahren gegründet.

Die meisten Stellen leisteten lediglich «vom Schreibtisch aus» Hilfe. Nur die wenigsten seien in der Lage, aktiv bei Konflikten zu intervenieren, was auch mit den begrenzten finanziellen Mitteln zusammenhänge. Staatliche Stellen böten meist nur marginale Hilfe für Betroffene an. Bei den nicht-staatlichen Anlaufstellen seien die finanziellen Mittel klein. Im Schnitt verfügten sie pro Jahr über 100’000 Franken für die Opferberatung. Ausser dem Kanton Appenzell Ausserrhoden verfügen alle Kantone über mindestens eine Anlaufstelle. 81 Prozent waren in der Deutschschweiz angesiedelt.

Der Präsident der Eidgenössischen Ausländerkommission (EKA), Francis Matthey, möchte die Kontakte zu den lokalen Behörden verstärken. Nötig sei eine Verbindungsstelle mindestens in jedem Kanton, sagte er in einem Interview mit «Le Temps» vom Donnerstag. An der Spitze der EKA seit 1. Januar äussert sich der frühere Neuenburger Staatsrat «sehr erstaunt festzustellen, dass nur sehr wenige Kantone oder Gemeinden einen Integrationsbeauftragten haben».