Schweizerkreuz-Verbot?

Blick

Das steckt hinter der Dorfposse

ROGGWIL BE. Es wird immer besser. Roggwiler Schüler dürfen angeblich kein Schweizerkreuz mehr auf der Brust tragen. Der Wirbel ist riesig. BLICK sagt, was tatsächlich hinter der Dorfposse steckt.

Angefangen hat alles ganz harmlos. Beim Traktandum Varia ergreift SVP-Mann Jürg Graf (43, Bild) an der Gemeindeversammlung Anfang Woche das Wort. Empört erzählt er: An der Oberstufe seien T-Shirts mit Schweizer- kreuz verboten.

Zeitungen nahmen gestern das Thema auf. Titel: «Schule verbietet Schweizerkreuz». Folge: Riesenwirbel. Gemeinderat und Schulleitung sehen sich genötigt, zur Pressekonferenz zu laden. Davon erfahren auch die Schüler. Über Mittag ziehen ein paar daheim solche angeblich verbotenen T-Shirts an. Dann posieren sie stolz vor der Schule, geben Interviews.

In der Aula betont Gemeinderat und Co-Schulpräsident Fredy Lindegger wenig später: «Es gibt an unserer Schule kein Verbot für T-Shirts mit Schweizerkreuz. Meine eigene Tochter ist schon so zur Schule gegangen.» Er bedaure das Missverständnis.

Entstanden ist es im Rahmen einer Rassismusdiskussion an der Schule. «Da wurde gesagt, dass das Tragen eines T-Shirts mit Schweizerkreuz in Verbindung mit Militärhosen oder rassistischen Symbolen verboten ist», sagt Lindegger. Laut BLICK-Recherchen passierte dann folgendes: Der Schüler Benjamin* erzählte seiner Mutter, dass der Lehrer T-Shirts mit Schweizerkreuz nicht mehr dulde. Mutter Rosa* erzählte es SVP-Mann Graf. Der posaunte die Falschmeldung heraus.

Was sagt er jetzt? Graf: «Die betreiben jetzt Schadensbegrenzung. Ich bleibe dabei, so ein Verbot ist unter jedem Hund.» Er gibt aber zu, dass er die Geschichte nur vom Hörensagen kannte und bei der Schule nicht nachfragte. Obwohl er Mitglied der Finanzkommission ist. Auch Mutter Rosa krebst zurück. «Mein Sohn hat es so verstanden.» Profiteure der Dorfposse: Die SVP und die rechtsextreme Pnos. Letztere beteiligt sich erstmals an den in zehn Tagen stattfindenden Gemeinderatswahlen.