Menuhin, wie er die Welt sieht

SolothurnerZeitung

Yehudi-Menuhin-Stiftung Präsident Gerard Menuhin predigt vor rechtsextremen Kreisen

«Ab und zu äussert sich Gerard Menuhin mit scharfsinnigen Artikeln zu aktuellen Themen.» So wird Gerard Menuhin, Präsident der Yehudi-Menuhin-Stiftung, im Flyer zum kommenden Galakonzert der Stiftung beschrieben. Wer aber scharfsinnige Texte von ihm auf seiner Website erwartet, wird eines anderen belehrt.

Urs Byland

Am kommenden Samstag organisiert die Yehudi-Menuhin-Stiftung Grenchen das jährliche Galakonzert. Zweck des Anlasses ist es, die elementare Musikerziehung Jugendlicher zu fördern und ihr Interesse für klassische Musik zu wecken. Mit dem jährlichen Konzert mit jungen Solisten will die Stiftung diesem Zweck nachkommen. Präsident der Stiftung ist Gerard Menuhin, Sohn von Yehudi Menuhin.

Die persönliche Meinung von Gerard Menuhin, wie Jugendliche gefördert werden können, hält aber derjenigen seines Vaters nicht stand. «Es ist lächerlich, solche Jugendliche (gemeint sind junge gewalttätige Türken in Berlin, die Red.) Literatur, Mathematik und Fremdsprachen lehren zu wollen», sagt Gerard Menuhin anlässlich einer Rede vor dem Freundeskreis der deutschen National-Zeitung, die laut deutschem Innenministerium dem «einschlägigen rechtsextremistischen Umfeld zuzurechnen» ist. «Sie haben kein Interesse daran. Ihre tradierte Lebensweisen und ihre Kultur verwerfen solche westliche Erziehung», begründet er seine Meinung. Daraus folgert Gerard Menuhin, dass «Deutschland nicht mehr Ausländer verdauen kann».

Für Gerard Menuhin ist auch klar, warum sich ein moslemischer Deutscher zweiter Generation radikalisiert und zum Bombenleger wird: «Das ist eben die Kraft der Kultur und der Beweis dafür, dass alle Kulturen ihr Zuhause haben und dort am besten bleiben sollen.»

In Deutschland längst abgesetzt

Gerard Menuhin ist kein unbeschriebenes Blatt. Bereits Ende 2005 berichtete diese Zeitung von seiner Absetzung als Präsident der Yehudi-Menuhin-Stiftung Deutschland. Zum Verhängnis wurden ihm damals Kolumnen in der National-Zeitung. «Die Visionen, Ideen und Überzeugungen Yehudi Menuhins sind definitiv nicht vereinbar mit der ausgrenzenden und diffamierenden Sprache und ausländerfeindlichen Haltung seines Sohnes Gerard», schreibt die deutsche Stiftung als Begründung für den Rausschmiss.

Das Beispiel mit den jungen Türken in Berlin hat für Menuhin einen Hintergrund. «Alles hängt irgendwie mit den Ereignissen 1933 45 zusammen. Die deutsche Justiz soll nicht zu hart aussehen. Was würde passieren, wenn unerwünschte Ausländer ausgewiesen würden? Ja, es würde wahrscheinlich Kritik von Seiten der Zionisten und der Gutmenschen geben.»

Hitler, Opfer der Juden

Damit ist auch das wichtigste Thema von Gerard Menuhin erwähnt. Er schreibt nicht nur, dass Deutschland nicht mehr Ausländer verdauen kann. Er spricht auch von «unvergesslichen zwölf Jahren des Nationalsozialismus». Und schreibt: «Hitler wurde möglicherweise zum einen zum Verhängnis, dass er sich mit Kreisen der so genannten Hochfinanz angelegt hatte.» Gemeint sind die Juden.

In der Zwischenzeit vertritt Gerard Menuhin weiterhin seine Ideologie. Nachzulesen auf seiner Website (www.gerard-menuhin.de). Übertitelt ist die Website mit: «Menuhin und wie er die Welt sieht». Er selber sieht sich als Vertreter unbequemer Wahrheiten oder nennt sich einen unartigen Juden. Seine publizistische Heimat sei die National-Zeitung. «Die praktischen Lösungen im Falle Deutschlands entsprechen am ehesten den Vorstellungen der gemässigten, verfassungstreuen Rechten. In der BRD würde daher ausser der National-Zeitung wohl keine grössere Publikation meine, wie ich glaube, ganz vernünftigen Ideen veröffentlichen», so Gerard Menuhin. Nach wie vor schreibt er Kolumnen in der National-Zeitung. Oder hält auch mal einen Vortrag, beispielsweise am 14. Oktober 2006 vor dem Freundeskreis National-Zeitung.

Stiftung hält am Präsidenten fest

Und wie hält es die Grenchner Yehudi-Menuhin-Stiftung mit ihrem Präsidenten? Im Prospekt für das Galakonzert ist auch dem Präsidenten ein Abschnitt gewidmet. Der Verfasser weist darauf hin, dass Gerard Menuhin einen «exzellenten Roman» geschrieben habe und «sich ab und zu mit scharfsinnigen Artikeln zu aktuellen Themen äussere». Die Stiftung geht ein Jahr nach dessen Absetzung als Präsident der deutschen Menuhin-Stiftung und trotz seiner weiteren Betätigung im Umfeld der National-Zeitung sehr wohlwollend mit Gerard Menuhin um. Silvia Rietz, Pressesprecherin der Stiftung, erklärt, dass die Stiftung Gerard Menuhin das Präsidium nicht streitig machen wolle, weil man den Wunsch von Yehudi Menuhin respektiere. So werde in der Gründungsurkunde festgehalten, dass das Präsidium der Stiftung einem Familienmitglied von Yehudi Menuhin zufalle. Warum nicht dem zweite Sohn Jeremy Menuhin? «Der kümmert sich um seine Musikerkarriere, so die Pressesprecherin. Der Geschäftsführer der Stiftung, Urs Tschudin, war trotz mehrmaligen Versuchen nicht erreichbar.