Die Polizei reist mit

St. Galler Tagblatt

Immer mehr Sportveranstaltungen müssen von Spezialisten der Polizei «begleitet» werden

ST. GALLEN. Immer wieder kommt es bei Fussball- und Eishockey-Spielen der obersten Spielklasse zu Ausschreitungen. Zuletzt auch in St. Gallen nach dem Spiel gegen den Grasshopper Club.

UMBERTO W. FERRARI

Weder der FC Zürich noch die Mannschaft vom GC spielen auf dem Espenmoos, ohne dass die Zürcher «Fans» von Szenenkennern der Fachgruppe Hooliganismus der Zürcher Stadtpolizei begleitet werden. Einer von ihnen ist Roland Schibli. Er kennt und verfolgt die Szene seit Jahren. Wer ihm zuhört, bekommt nicht den Eindruck, dass auf der einen Seite die Polizei, auf der anderen die Hooligans oder eben die Randalierer stehen. «Für unsere Arbeit ist es wichtig, dass wir die Hooligans, aber sie auch uns kennen, dass ein gewisses Vertrauensverhältnis besteht», sagt Schibli. Seine Tätigkeit ist folglich kein verdecktes Ermitteln, sondern ein offenes Schaffen; nicht zuletzt seiner eigenen Sicherheit wegen.

Wenig Probleme mit Hooligans

Mit so genannt «echten Hooligans» hat die Polizei wenig Probleme: «Sie zünden keine Container an und richten auch nicht in erster Linie Sachschäden an. Sie suchen den direkten Kampf – den szeneinternen Fight – unter ihresgleichen», erzählt Schibli aus seiner Erfahrung. Armin Näf – bei der St. Galler Kantonspolizei früher für den FC Wil und seine Fans «verantwortlich» – pflichtet Schibli bei: «Richtige Hooligans vereinbaren mit dem Handy einen Treffpunkt, schlagen sich, und nach kurzer Zeit ist die Sache gelaufen.» Von richtigen Hooligans haben Herr und Frau Schweizer auf der Strasse denn auch nichts zu befürchten, es sei denn, sie würden massiv provoziert.

Unterwanderung von rechts

Anders sieht es bei Ausländern aus. «Die Hooliganszene – namentlich in Zürich – wird zunehmend von rechtsextremer Seite unterwandert», sagt Schibli. Eine Erkenntnis, die am vergangenen Sonntag auch in St. Gallen gemacht werden konnte. Ausländerfeindliche Sprüche wurden skandiert.

Informationen beschaffen

Weit problematischer in ihrer Auswirkung sind für die Polizei die Abenteuerlustigen, die Mitläufer bei solchen Ausschreitungen. Die «Nichtorganisierten» seien in den meisten Fällen verantwortlich für Sachschäden und dergleichen.

«Die zentrale Aufgabe der polizeilichen Fachgruppe Hooliganismus ist es, für die Einsatzkräfte Informationen zu beschaffen, damit die Einsatzleitung lagegerechte Entscheide treffen und die richtigen Massnahmen ergreifen kann», sagt Schibli. Am vergangenen Sonntag war dies die Stadtpolizei St. Gallen. Die Hooligans selbst in ihrem Verhalten zu beeinflussen, sei heute praktisch unmöglich. Anders in der vergangenen Saison beim FC Wil, wie sich Armin Näf erinnert: «Weil wir die Exponenten gut und namentlich kannten, konnten wir auf ihr Verhalten direkt Einfluss nehmen. Dies mag damit zu tun haben, dass wir in Wil – oder überhaupt in der Ostschweiz – kleinräumigere Strukturen haben.» So werden auch in Zukunft nicht nur Spieler, Fans und Hooligans zu den Fussball-Matches reisen, sondern auch die Fachspezialisten aus Polizeikreisen.