Das Schlachtfeld bleibt tabu

Neue Luzerner Zeitung: Sempach · Die Gedenkfeier für die Schlacht bei Sempach soll laut Regierung auch künftig nicht auf dem Schlachtfeld stattfinden. Kantonsrätin Heidi Frey (CVP) ist enttäuscht.

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Die neunte und letzte Frage ihrer Anfrage war für Heidi Frey-Neuenschwander die wichtigste. «Ist geplant, dass in naher Zukunft die Örtlichkeit der Schlacht bei der Gestaltung der Schlachtjahrzeit-Aktivitäten wieder einbezogen wird?» Die Antwort des Regierungsrats fiel kurz und für die CVP-Kantonsrätin ernüchternd aus: «Es bestehen derzeit keine solchen Pläne.» Frey, die Anfang September eine Anfrage zur Zukunft der Schlachtjahrzeit beim Regierungsrat eingereicht hatte, ist entsprechend unzufrieden: «Dieses kategorische Nein ist enttäuschend», sagt die Sempacherin. Und ergänzt: «In Sempach geht man davon aus, dass die aktuelle Handhabung mit dem Mittelalterfest nur eine Übergangslösung ist. Viele sind der Meinung, dass es dieses Mittelalterfest an diesem Tag gar nicht bräuchte.»

Neues Konzept wegen Kosten

Bis 2009 war die vom Kanton ausgerichtete Gedenkfeier für die Schlacht bei Sempach (1386) mit einem Marsch zum Winkelried-Denkmal begangen worden, das oberhalb von Sempach auf einer Wiese steht. Zuletzt war dieser Umzug von Rechtsextremen für politische Kundgebungen missbraucht worden. 2009 hatten Linksaktivisten deshalb eine Gegendemonstration angekündigt. Die Luzerner Polizei war mit einem Grossaufgebot präsent, um die beiden Gruppen voneinander getrennt zu halten. Mit Erfolg zwar, doch die Sicherheitskosten stiegen von 25 000 auf 300 000 Franken an und sorgten für eine Vervielfachung des Gesamtaufwands (siehe Tabelle).

Nachdem 2010 keine Feier durchgeführt worden war, kam es 2011 zum Comeback mit einem anderen Konzept. Seither werden ein einfaches Frühstück (Morgenbrot), eine Feier in der Pfarrkirche und ein Mittelalterfest im Städtchen angeboten. Auf den Umzug Richtung Schlachtfeld wird indes verzichtet. Anstelle von 500 geladenen Gästen nehmen nun mehrere tausend Besucher an den Feierlichkeiten teil. Die Schlachtjahrzeit mutierte damit zum Familien-Event mit publikumsfreundlichen Elementen und ist für Rechtsextreme nicht mehr von Bedeutung. «Der Regierungsrat ist vom jetzigen Konzept überzeugt», schreibt er in seiner Antwort auf Freys Anfrage. Das Mittelalterfest werde in seiner Aufmachung zwar reduziert, eine Abkehr davon sei aber nicht angebracht. Auch für den Sempacher Stadtrat habe sich die neue Form bewährt. Das offerierte Morgenbrot sei äusserst beliebt – 2014 seien über 1100 Morgenbrotsäcklein verteilt worden. Im letzten Jahr wurde nach der Gedenkfeier zudem erstmals ein Marsch zum Rathaus mit anschliessendem Volksapéro organisiert, was dem Austausch zwischen Politikern und Bevölkerung diente und sich ebenfalls sehr bewährt habe. Überdies werden 2015 das Städtlifäscht und der Hellebardenlauf wieder am selben Wochenende wie die Gedenkfeier stattfinden (27./28. Juni).

Frey kämpft womöglich weiter

Heidi Frey stellt den Erfolg der Neuerungen nicht in Abrede. Das Mittelalterfest mit den Ständen im Städtchen und auf der Seeallee ist für sie auf Dauer aber nicht die richtige Lösung. «Es kommen viele Besucher wegen des Fests und nicht wegen der Schlachtjahrzeit nach Sempach. Dieses Fest könnte man auch zu einem anderen Zeitpunkt als eigenen Event durchführen», so Frey. Mit der Kombination Mittelalterfest und Schlachtjahrzeit hätten viele Sempacher Mühe. Sie wünscht sich, dass in Zukunft die Örtlichkeiten der Schlacht, also Schlachtfeld, Kapelle und Denkmal, wieder in die Feierlichkeiten miteinbezogen werden. «Das muss nicht in der Form eines Umzugs sein. Es könnte die ganze Feier auf dem Schlachtfeld stattfinden», erklärt Frey.

Dass der Regierungsrat anderer Meinung ist, hat er mit seiner Antwort deutlich gemacht. Er bedauert, dass das Mittelalterfest und der Marsch zur Schlacht gegeneinander ausgespielt werden. Heidi Frey tritt in diesem Jahr als Kantonsrätin ab. Trotzdem zieht sie in dieser Sache weitere Schritte in Betracht – mittels Postulat oder einer Motion.

Kosten für die Sempacher Schlachtjahrzeit

Jahr Gesamtkosten (in Fr.) Besucher Kosten pro Besucher (in Fr.)
2007 44 200 500 88
2008 45 500 500 91
2009 328 000 600 547
2011 330 000 10 000 33
2012 150 000 6000 25
2013 130 000 7000 19
2014 113 000 6000 19
2010 wurde keine Feier durchgeführt; Quelle: Kanton Luzern