Party von Rechtsextremen aufgelöst

BernerRundschau

Party von Rechtsextremen aufgelöst

Aargau 76 Polizisten im Einsatz an Grossaktion

Ein 19-jähriger Freiämter hatte eine Scheune im Aargauer Weiler Wiggwil bei Beinwil für eine «Geburtstagsparty» gemietet. Als die Party sich als Rechtsextremen-Treff entpuppte, löste sie die Polizei auf. Der Veranstalter bleibt in Haft.

Unschöne Überraschung für die Bauersfamilie des oberhalb von Wiggwil gelegenen Allmendhofs. Sie hatte ihre Scheune einem 19-jährigen in der Region wohnenden Burschen für eine Geburtstagsparty vermietet. Doch, wie die arglosen Vermieter feststellen mussten, erschienen zur Party am Samstagabend über 100 Gestalten, die offensichtlich zur rechtsextremen Szene gehörten. Es waren 155 Teilnehmer aus 10 Schweizer Kantonen, aus Deutschland und Frankreich. Am Treffen hätten bekannte Köpfe der Hammerskins und der Partei National orientierter Schweizer (Pnos) teilgenommen, sagte gestern Urs Hoppler, Bezirksamtmann Muri. Die «nationale und internationale Spitze» sei anwesend gewesen. Zwar war es zunächst zu keinen Zwischenfällen gekommen. Doch als die auf die Veranstaltung aufmerksam gemachte Kantonspolizei die Party kontrollieren wollte, verweigerten die Teilnehmer den Polizisten den Zutritt zur Scheune.

Keine Gesprächsbereitschaft gezeigt

«Ein Gespräch mit ihnen war nicht möglich», sagt Kantonspolizei-Informationschef Rudolf Woodtli. «Sie verhielten sich sehr aggressiv.» Deswegen habe man sich zur Auflösung der Veranstaltung entschlossen. Dazu wurden 76 Polizisten von Kantonspolizei und den Regionalpolizeien zusammengezogen.

Ein harter Kern widersetzte sich

Als die Festteilnehmer um 2 Uhr aufgefordert wurden, das Fest abzubrechen, die Scheune freiwillig zu verlassen und sich kontrollieren zu lassen, kooperierten dann die meisten. Laut Woodtli leisteten aber 35 Personen passiven Widerstand, indem sie sich auf den Boden legten. Diese hätten sich beim Heraustragen auch gewehrt und äusserst gewaltbereit gezeigt, erklärt der Polizeisprecher. Doch kurz nach 5 Uhr hatte die Polizei alle 118 Männer und 37 Frauen im Alter zwischen 16 und 33 Jahren kontrolliert, befragt und ihre Personalien festgehalten. Darunter waren 127 Schweizer, 20 Deutsche und 8 Franzosen. Verletzt wurde bei der ganzen Aktion niemand.

Die Polizei stellte auch verschiedene Fahnen und CDs aus der Scheune sicher. Deren Inhalt muss laut Woodtli noch geprüft werden. Die beschlagnahmten Fahnen und CDs werden gemäss Hoppler ausgewertet. Die Auswertung durch die Polizei und den Staatsschutz sei eine «riesige Sache» und nehme mehrere Tage Zeit in Anspruch. Als Tatbestand ständen Verstösse gegen das Antirassismusgesetz im Vordergrund. Mehrere der Partyteilnehmer müssen aber bereits mit einer Anzeige wegen Hinderung einer Amtshandlung, Gewalt und Drohung gegen Beamte und allenfalls Verstosses gegen das Antirassismusgesetz rechnen. Der 19-jährige Scheunenmieter, ein der Polizei als der rechten Szene zugehörig bekannter Schweizer, wurde verhaftet. Er habe massive Drohungen gegen die Polizei ausgesprochen, so Woodtli. Wegen Kollusionsgefahr bleibe der junge Mann in Haft, sagte Urs Hoppler.