Rechte hielten die Stadt in Atem

SolothurnerZeitung

Rund 120 Rechtsextreme lieferten sich am 1. Mai am Nachmittag in Solothurn Scharmützel mit der Polizei. Es gab auf beiden Seiten Verletzte. Rund 30 Demonstranten wurden festgenommen. Es kam zu Verkehrsstaus.

height=“165″ hspace=“10″ vspace=“10″ border=“0″ align=“left“>Der überraschende Aufmarsch von rund 120 Rechtsextremen endete dort wo er begonnen hatte. Nachdem ein grosses Polizeiaufgebot die Aktivisten (und auch etliche Aktivistinnen) der «Helvetischen Jugend» gegen 16 Uhr zum Bürgerspital hinauf getrieben hatte, kam es dort zu Festnahmen. Etliche Schaulustige verfolgten vom Bettenhaus aus das Geschehen auf dem Parkplatz. Grosses Interesse an der Szenerie bekundete auch der vergitterte, aber gut besetzte Balkon des Untersuchungsgefängnisses, der die Jagdszenen bis hinauf an den Waldrand lautstark kommentierte.

Die Demonstranten waren mit Privatautos gekommen, die sie freundlicherweise direkt neben dem Untersuchungsgefängnis parkiert hatten. Das verkürzte den Transport ins UG, als sie nach fast zweistündigem Katz- und Mausspiel mit der Polizei von dort das Weite suchen wollten und eingekreist wurden. Es kam aber auch zu einem Zwischenfall: Dabei durchbrach ein Wagen mit Innerschweizer Kennzeichen die Polizeisperre, fuhr ein Verkehrssignal um und liess Teile des Wagens, unter anderem das Kontrollschild, zurück.

Wirres Flugblatt

Bei der «Helvetischen Jugend» handelt es sich um einen «Zusammenschluss von «Nationalisten» und eine «aktive Kameradschaft», wie es in der Eigenwerbung auf dem Internet heisst. Gegründet wurde die Organisation offenbar im Juli des letzten Jahres, nachdem ein entsprechender Aufruf auf überraschend grosses Interesse gestossen sei. Die Mitglieder der «HJ» wohnen nach deren Angaben im Oberaargau, dem Luzerner Hinterland, dem Wiggertal und dem angrenzenden Aargau. Angesichts der überschwenglichen Kommentare zum Wahlerfolg der PNOS in Günsberg dürfte sie aber Expansionspläne haben. Gestern verteilte die «HJ» ein mit abstrusen Verschwörungstheorien operierendes Flugblatt: Die «US-Grossfinanz», die unter «vorwiegend jüdischer Kontrolle» sei, könne jetzt die ganze Welt «kaufen».

Verkehr blieb stehen

Um die ganze Welt ging es gestern noch nicht. Aber ganz offensichtlich suchte die nationalistische Jugend in Solothurn die Begegnung mit der linken Jugend. Die Polizei verhinderte aber gegen 14 Uhr auf der Wengibrücke den ersten Durchmarsch der im Gleichschritt nahenden «Kameraden». Diesmal unter Anteilnahme eines grossen Publikums an den Aareufern, stoben die Demonstranten auf «spontanen Routen» (Polizeimeldung) durch die Stadt. Auf der Rötibrücke und bei Bahnhof und Wengibrücke kam es deswegen zu etlichen Störungen im Verkehrsfluss.

Die Kantonspolizei, für die die Demonstration überraschend kam, die aber dank konkordatsweiter Koordination rasch aus dem Bernischen verstärkt worden war, hatte die Lage gut im Griff. Dank den blauen Kleinbussen, im Polizeijargon «OD-Taxis» genannt, waren die weiss behelmten Polizeikräfte bei diesem Sonntagsdienst fast immer schon dort, wenn der Saubannerzug im Anmarsch war.

Resoluter Chauffeur

Trotzdem kam es noch kurz vor Beendigung der Scharmützel bei der Bahnunterführung in der Vorstadt zu einer heiklen Situation, als Demonstranten im Getümmmel einen Bus aufhalten wollten und dessen Chauffeur einfach resolut Gas gab. Der ganze Rückzug zum Bürgerspital war seitens der Polizei unterstützt durch Gummigeschosse, die Demonstranten ihrerseits warfen Steine.

Von Anfang an war es der Polizei nicht möglich gewesen, mit der nationalistischen Jugend zu reden. Man sei von deren Aggressivität überrascht gewesen, sie hätten die Konfrontation mit den Ordnungskräften offenbar gesucht, meldete die Polizei am Abend. Auch gegenüber Journalisten war das Mitteilungsbedürfnis gering: «Wir stehen nicht auf Medien», beschied eine junge Frau, die wegen mangelnder Kondition den Anschluss an die Kameraden verloren hatte.Der offizielle 1. Mai-Umzug drohte gestern über längere Zeit abgesagt zu werden. Mit 25 Minuten Verspätung gab die Polizei den Weg dann aber frei.

Übrigens war am 1. Mai auch die Polizeimarine auf der Aare im Einsatz, ebenso Polizeihündin Cara.