Gegen 30 Skinheads läuft ein Strafverfahren

BaslerZeitung
 

Ende April war in Riehen eine Truppe von über 30 Skinheads und Rechtsradikalen bewaffnet mit Baseballschlägern, Äxten, Messern und Morgensternen zu einer Fehde gegen ebenso viele Kurdenangetreten. Dank Hinweisen aus der Bevölkerung konnte die Polizei rechtzeitig eine blutige Auseinandersetzung verhindern. Inzwischen ist von der Basler Justiz ein Verfahren gegen über 30 Skinheads eingeleitet worden.

 

 

Basel/Riehen. hei. Das Ganze hatte seinen gefährlichen Lauf Anfang April dieses Jahres genommen: Rechtsradikale und Skinheads hatten eine Auseinandersetzung mit Kurden geführt, die darin gipfelte, dass auf den 24. April ein «Treffen» im Bereich der Tramhaltestelle Habermatten in Riehen vereinbart wurde. Doch die Abrechnung unter den insgesamt 50 bis 60 Jugendlichen und Erwachsenen kam nicht zustande. Dank Hinweisen aus der Bevölkerung konnte die Polizei bereits beim Aufmarsch der beiden Gruppen eingreifen und eine gefährliche Auseinandersetzung abwenden. Und das «Treffen» hätte durchaus gefährlich, ja blutig verlaufen können, bestätigte gestern Markus Melzl, Pressesprecher der Basler Staatsanwaltschaft, gegenüber der BaZ den gestrigen Frontartikel der «Riehener Zeitung». Bei der Personenkontrolle stellte sich nämlich heraus, dass die Skinheads unter anderem Baseballschläger, Äxte, Messer, Morgensterne und Holzlatten mit Nägeln als Waffen bei sich trugen. Ferner wurde festgestellt, dass es sich bei den Skinheads nicht nur um solche aus Basel, sondern auch um Gleichgesinnte aus den Kantonen Baselland und Aargau sowie aus der badischen Nachbarschaft handelte.

Nazistisches Beweismaterial

Neben der Personenkontrolle wurden im Zusammenhang mit dieser Fehde in den vergangenen Monaten auch mehrere Hausdurchsuchungen in Riehen und Baselland durchgeführt; dabei kam umfangreiches nazistisches und neonazistisches Beweismaterial zum Vorschein. Die Beamten beschlagnahmten stapelweise CDs vor allem von Schweizer und deutschen Skinhead-Bands mit rassistischen wie neonazistischen Liedern und Texten. Zum Vorschein kamen ferner Bücher und Broschüren, die das Dritte Reich und den Nationalsozialismus verherrlichen, Hakenkreuz- und Reichstagsflaggen sowie Devotionalien wie Poster von Adolf Hitler, Rudolf Hess und anderen Nazigrössen.

Gefährliche Gegenstände

Weil es sich bei den Waffen um gefährliche Gegenstände handelt, mit denen eine schwere Körperverletzung verübt, ja sogar ein Mensch getötet werden kann, sind nun, laut Markus Melzl, Ermittlungen wegen des Verstosses gegen das Waffengesetz und wegen «strafbarer Vorbereitungshandlungen» – in diesem Falle schwere Körperverletzung – im Gang. Diese sind noch nicht abgeschlossen. Von den 50 bis 60 an diesem «Treffen» Beteiligten ist gegen insgesamt 34 ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden – mehrheitlich gegen Skinheads, in drei Fällen gegen Kurden. 16 der 34 Personen sind zwischen 16 und 18 Jahre alt und fallen unter die Jugendstaatsanwaltschaft. Die restlichen 18 Personen sind zwischen 18 und 25 Jahre alt; darunter befinden sich einige wenige Frauen.

«Spitze des Eisbergs»?

Ob es sich bei dieser geplanten Abrechnung nur um die «Spitze des Eisbergs» in der Skinheadszene handelt, ist laut Melzl unklar. «Solch eine Auseinandersetzung hat es hier noch nie gegeben», sagte er. Melzl glaubt, dass es sich eher um eine «lose Truppe» handelt. Das Ausmass der Angelegenheit sei den Untersuchungsbehörden erst im Zuge der Ermittlungen bewusst geworden, weshalb eine Information über das Verfahren bisher unterblieben sei.

Aus dem soliden Mittelstand

Wie Christoph Bürgin, Leiter der Basler Jugendstaatsanwaltschaft, der «Riehener Zeitung» gegenüber äusserte, stammen die Jugendlichen entgegen einem landläufigen Klischee keineswegs aus unteren sozialen Schichten, sondern vor allem aus dem soliden Mittelstand. Neben einem harten Kern von vielleicht sechs bis zwölf Personen gebe es zahlreiche auch jüngere Mitläufer. So seien die Beamten der Staatsanwaltschaft auch schon auf eine Hakenkreuzfahne über dem Kinderbett gestossen.