Er hasst Ausländer und fürchtet Rassenvermischung

Blick

Von Martin Reichlin und Michael Fichter

LANGENTHAL BE. Als erste Gemeinde der Schweiz hat Langenthal mit 415 Stimmen einen Vertreter der rechtsextremen «Partei national orientierter Schweizer» (Pnos) ins Stadtparlament gewählt. Strassenbauer Tobias Hirschi (20).

BLICK Sie sind ein politischer Neuling. Warum haben Sie sich entschlossen, politisch aktiv zu werden?

Tobias Hirschi «Weil man mit Politik etwas verändern kann.»

Was sind Ihre Anliegen?

«Die Traditionen der Schweiz sichern und das Thema Ausländer.»

Haben Sie ein politisches Vorbild?

«Ja, aus Deutschland. Jürgen Schwab, der Vorsitzende der NPD.»

Was sagen Sie zur gewalttätigen Vergangenheit der Pnos-Gründer Gysin und Kunz?

«Das ist Vergangenheit. Passiert ist passiert.»

Die Pnos ging aus der Skinhead-Gruppe «Blood & Honour» hervor. Waren Sie selber auch Skinhead?

«Nicht gross. Also, ich kannte die Skinheads zum Teil vom Ausgang.»

Was heisst «nicht gross»?

«Gar nicht. Ich habe sie einfach gekannt.»

Und Sie kannten auch ihre Ideen?

«Ja, mit ihnen geredet habe ich schon.»

Hatten Sie Sympathien?

«Ja. Weil ich den Druck der Ausländer schon in meiner Schulzeit gespürt habe. Da kam langsam der Hass auf sie und das Bewusstsein, dass man etwas gegen sie machen muss. Dann habe ich die Partei Pnos kennen gelernt und bin da eingestiegen.»

Wie charakterisieren Sie die Pnos?

«Rechts-denkend, aber keine Extremisten. Wir sind schon rechts, einfach nicht rechtsextrem.»

Was heisst denn «extrem»?

«Eben wie Rechtsextreme – Bomberjacke und so. Wir sind rechts-denkend. Aber wir sind alle normal angezogen. Ohne Bomberjacke, Springerstiefel und Glatze.»

Ihr Vorbild ist der NPD-Vorsitzende. Die NPD steht ideologisch der NSDAP nahe. Was denken Sie von der NSDAP?

«Es ist schrecklich, was damals (im Zweiten Weltkrieg) war. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.»

Hat Adolf Hitler für Sie irgendeine Bedeutung?

«Keine Bedeutung.»

Was ist Ihre Meinung zum Holocaust?

«Dazu sage ich auch nichts.»

Ist der Ausländeranteil in der Schweiz zu gross?

«Ja.»

Welche Probleme entstehen dadurch?

«Rassenvermischung.»

Was wäre ein erträglicher Ausländeranteil?

«Vier bis fünf Prozent.»

Was soll mit den anderen Ausländern in der Schweiz geschehen?

«Die müssten gehen. Ganz sicher alle, die Straftaten begehen. Die müsste man sofort abschieben.»

Ihrer Meinung nach müssten rund 75 Prozent der Ausländer gehen. Die sind wohl kaum alle kriminell.

«Das schon nicht. Aber alle, die kriminell sind, auch wenns nur ein Ladendiebstahl ist, die sollte man sofort rausnehmen. Fort. Das ist sicher ein Viertel.»

Das würde noch nicht reichen. Es müssten noch mehr Ausländer gehen. Wohin?

«Zurück.»

Was halten Sie von der Todesstrafe?

«Bei verheerenden Fällen, so wie Massenmörder, finde ich sie richtig.»

Kennen Sie die politische Organisation der Schweiz?

«Noch nicht so ganz. Aber wir werden jetzt zusammensitzen und Schulungen machen. Dabei werde ich von der Partei unterstützt.»

Nennen Sie die Bundesräte!

«Couchepin, Blocher, Schmid, Calmy-Rey, Deiss… Wie viele habe ich jetzt?»

«Leuenberger… jetzt habe ich ein Blackout. Es sind auf jeden Fall sechs Männer und eine Frau.» (Es fehlt Bundesrat Merz)

Wie viele Kantone hat die Schweiz?

«24.» (Falsch. 26)

Wie viele Nationalräte?

«200.»

Wie viele Ständeräte?

«48.» (Falsch. 46)

Strassenbauer Tobias Hirschi hat den Sprung ins Stadtparlament von Langenthal geschafft – trotz rechtsextremem Gedankengut.

Voll dagegen

Kein Platz für Rechtsextreme in Langenthal

Die Wahl eines Vertreters der Pnos in den Stadtrat von Langenthal hat mich sehr überrascht und mir eine schlaflose Nacht bereitet. Die SVP will nicht, dass Langenthal ein rechtsextremes Image erhält. Die Distanzierungsinserate der SP dürften kontraproduktiv gewesen sein.

Als Präsident der SVP ist es mir ein Anliegen, dass Volksentscheide respektiert werden. Die Wähler der Pnos haben aber die Konsequenzen wohl nicht zu Ende gedacht. Ich weiss, dass das Bundesamt für Polizei die Pnos als rechtsextreme Organisation einstuft. Bleibt zu hoffen, dass der sehr junge und politisch unerfahrene Stadtrat der Pnos sich seiner Verantwortung bewusst ist und sich klar vom rechtsextremen Gedankengut distanziert.

Die Zusammenarbeit mit der Pnos kommt für die SVP aus diesen Gründen nicht in Frage.

Roland Christen (50) Präsident der SVP Langenthal

Das Gedankengut des Rechtsextremisten Tobias Hirschi. Blick erklärt Begriffe und Zusammenhänge.

415 Stimmen

Am Sonntag wurde der Strassenbauer Tobias Hirschi (20) in das Langenthaler Stadtparlament gewählt. Er erhielt 415 von 9172 Stimmen. 149 Stimmen davon kamen von SVP-Wählern. 22 Mal stand der Name des Pnos-Mannes auf SP-, 20 Mal auf FDP- und 14 Mal auf EVP-Listen. 2 Mal sogar auf solchen der Grünen Freien Liste.

NPD

Die rechtsextreme Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) hat vor kurzem mit neun Prozent den Einzug ins sächsische Parlament erreicht. Ihr Antisemitismus, die Ablehnung des politischen und wirtschaftlichen Systems der Bundesrepublik und die Glorifizierung von Personen aus der Zeit des Nationalsozialismus sind vom deutschen Verfassungsschutz dokumentiert. Die NPD sucht regelmässig den Kontakt zu Neonazis und Skinheads. Jürgen Schwab ist ein Spitzenmann in dieser Partei.

PNOS-GRÜNDER

Sacha Kunz (26) und Jonas Gysin (22) standen beide schon wegen Körperverletzung vor Gericht. Kunz wurde im November 2003 zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 16 Monaten und 15 Tagen verurteilt. Gysin erhielt 30 Tage bedingt. Die Rekurse gegen die Urteile sind hängig.

Geschichte der Pnos

Die rechtsextreme «Partei national orientierter Schweizer» (Pnos) wurde nach dem Skinhead-Aufmarsch auf dem Rütli vom 1. August 2000 gegründet. Und zwar von Aktivisten der Skinhead-Gruppe «Blood & Honour» (Blut und Ehre). Sie entstand 1998 als Ableger einer internationalen Bewegung, die rassistisches und ultranationales Gedankengut verbreitet. Der Extremismusbericht des Bundes vom August 2004 schreibt: «Etliche Mitglieder der Pnos waren oder sind noch aktive Skinheads.»

Gedankengut der Pnos

Der Extremismusbericht: «Ihre Herkunft aus dem gewalttätigen Rechtsextremismus versucht sie durch einen möglicherweise nur strategischen Gewaltverzicht vergessen zu machen. Das Parteiprogramm, die Parteizeitung und andere Publikationen der Pnos sind nach wie vor geprägt von fremdenfeindlicher, antidemokratischer und rechtsextremer Rhetorik.» Die Pnos pflege Verbindungen zu Holocaustleugnern und in- und ausländischen rechtsextremen Gruppen.

Nazi-Deutschland

1933 ergriff der Antisemit Adolf Hitler (Bild), Führer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), die Macht in Deutschland. Am 1. September 1939 beginnt er mit dem Angriff auf Polen den 2. Weltkrieg. Ab 1940 setzt er seine Pläne zur Vernichtung der Juden Europas um. Während des Holocaust werden in den deutschen Konzentrationslagern 6 Millionen Juden ermordet.

Rassenvermischung

Der Begriff geht zurück auf die Rassenlehre des französischen Diplomaten Joseph Arthur Graf von Gobineau (19. Jh.). Bei ihm findet sich die Einteilung der Menschheit nach Hautfarben, wobei er der «weissen Rasse» den höchsten Wert zuweist. Später wurde die «Rasse» von anderen Autoren ins Quasi-Religiöse gesteigert und in Zusammenhang mit dem Judentum gebracht. Die jüdische Minderheit wurde als «fremdrassisch» und gefährlich betrachtet. Sie bringe durch «Vermischung» die «Blutreinheit» des «deutschen Menschen» in Gefahr. Im Nationalsozialismus wird der Antisemitismus zur Staatsdoktrin.