Der Sprengsatz hatte einen Zeitzünder

NeueLuzernerZeitung

Kurz nach der Ansprache von Micheline Calmy-Rey ist auf dem Rütli ein Sprengsatz detoniert. Jetzt hat sich der Bund eingeschaltet.

«Plötzlich gab es einen Riesenknall, und Erdklumpen fetzten etwa fünf Meter hoch aus dem Boden», erzählt ein Augenzeuge. «Erstaunlicherweise blieben die Besucher ruhig, obwohl nur etwa zwei Meter entfernt Leute auf der Rütliwiese sassen.» Der Sprengsatz detonierte kurz nach 16 Uhr, nur gerade 30 Meter vom Rednerpult entfernt.

Herbert Planzer, Sprecher der Kantonspolizei Uri: «Der Feuerwerkskörper war in einem Loch von 20 Zentimeter Durchmesser und 20 Zentimeter Tiefe vergraben und wurde mittels Zeitzünder zur Explosion gebracht.» Laut Planzer handelt es sich nicht um eine selbst gebastelte Bombe, sondern um so genannte «pyrotechnische Gegenstände zu gewerblichen Zwecken». Laut der Polizei sind solche Gegenstände im Handel erhältlich.

In Lebensgefahr ist laut der Kantonspolizei Uri niemand gewesen. Harmlos war der Sprengsatz aber bei weitem nicht. «Der Feuerwerkskörper hätte Brandwunden und einen Gehörschaden verursacht, wenn er Leute getroffen hätte ähnlich wie die in Fussballstadien gezündeten Feuerwerkskörper oder 1.-August-Feuerwerk», sagt Planzer.

Bundesanwaltschaft untersucht

Fachleute des wissenschaftlichen Forschungsdienstes der Stadtpolizei Zürich klären nun ab, um was für eine Vorrichtung es sich gehandelt hat und wie diese zur Explosion gebracht worden ist. Die Kantonspolizei Uri ermittelt gegen unbekannt wegen «Gefährdung durch Sprengstoffe». Das Strafmass dafür ist eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr. Wie bei Sprengstoffdelikten üblich, hat sich die Bundesanwaltschaft in die Ermittlungen eingeschaltet.

Wer hat den Sprengsatz in der Rütliwiese verbuddelt? Und wann ist es passiert? «Wir hatten seit dem Eindunkeln am 31. Juli Polizisten auf dem Rütli», sagt Planzer. Der Urner Sicherheitsdirektor Josef Dittli, der von einem «kriminellen Akt» spricht, vermutet, dass der Sprengsatz am 31. Juli vergraben worden ist. Denn gesperrt war das Rütli erst ab dem 1. August. Hätte man den Anschlag verhindern können? «Nein», sagt Planzer, «man hätte das Rütli lange im Voraus absperren und mit einer Zutrittskontrolle sichern können und selbst dann hätte man keine hundertprozentige Sicherheit gehabt.»

Wenn es nach der rechtsextremen Partei Pnos geht, wird es bald wieder heiss auf dem Rütli: Laut Radio Pilatus will die Pnos am Sonntag ein «Bräteln des nationalen Widerstandes» veranstalten. Eine Bewilligung der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft, welche die Rütliwiese verwaltet, hat die Partei nicht. Deshalb wird wohl die Polizei einschreiten.

Luzia Mattmann

Wird Daniele Jenni angezeigt?

Die 22 Linksextremen, welche am 1. August vorübergehend festgenommen worden sind, werden angezeigt, in erster Linie wegen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen. Zudem zieht die Stadt eine Strafanzeige gegen Daniele Jenni vom Bündnis für ein buntes Brunnen in Erwägung. Laut Ernst Röthlisberger, dem Kommandanten der Stadtpolizei ad interim, ist Jenni der Hauptverantwortliche.

Wie viel der Polizeieinsatz am 1. Au- gust die Stadt kostet, kann Röthlisberger noch nicht sagen. Nur so viel: Die Kosten würden sich in einem ähnlichen Rahmen bewegen wie in den letzten Jahren. 2005, als das Bündnis für ein buntes Brunnen in Luzern eine bewilligte Demonstration durchführte, kostete der Polizeieinsatz 200 000 Franken. Damals mussten allerdings auswärtige Polizisten als Verstärkung beigezogen werden.