«Alles andere als ein harmloser Kleiderladen»

Tages-Anzeiger

London 66 in Dietikon soll ein Treffpunkt für Rechtsextreme sein. Der Geschäftsführer weist diesen Vorwurf von sich und reicht Strafanzeige ein.

Dietikon. – Auf den ersten Blick wirkt der Laden namens London 66 an der Bahnhofstrasse 13 unauffällig. Nach Angaben der Aktion gegen rechte Gewalt (AgrG) ist «London 66 aber alles andere als ein harmloser Kleiderladen», sagte gestern ein Sprecher der politischen Gruppierung. «Der Laden ist ein Anziehungspunkt für Jugendliche, die sonst kaum in Kontakt mit bekannten Exponenten der rechtsextremen Szene kommen würden.» Marken wie Thor Steinar, Pit Bull, Rizist oder Brachial wiesen auf Rechtsextreme hin; die beiden deutschen Label Thor Steinar und Rizist würden gar von Rechtsextremisten vertrieben. Tatsächlich werden Produkte dieser Marken verkauft, und auch CDs von einschlägig bekannten rechtsextremen Bands wie Kategorie C und Das deutsche Dynamo Duo.

«Wer schweigt, stimmt zu!»

In der Nacht auf gestern verteilte die AgrG 1200 Flyer und brachte 200 Plakate in der Stadt an, um auf die Missstände in diesem Geschäft aufmerksam zu machen, «rechte Infrastruktur aufzudecken und anzugreifen». «Wer schweigt, stimmt zu!», stand auf den Plakaten.

«Uns war bisher nicht bekannt, dass dort Rechtsextreme verkehren. Da keine Anzeige eingereicht wurde, hatten wir auch keine Veranlassung, einzuschreiten», erklärt der Dietiker Sicherheitsvorstand Reto Saxer (EVP). Doch werde man nun das Ganze beobachten und «nötige Schritte» einleiten.

Geschäftsführer Rafael Hernandez, einst Mitglied bei den Schweizer Demokraten, reagierte perplex und distanziert sich von den Vorwürfen: «Ich mache doch keine Politik in meinem Laden.» Sein Publikum sei kunterbunt, die angesprochene Musik nicht sein Stil, und von den rechtsextremen Hintergründen einzelner seiner 15 Marken habe er nichts gewusst. Er wird heute Strafanzeige einreichen wegen Verleumdung und Aufruf zu Gewalt. (zum)