Ausländerhass und Alkohol: Massenschlägerei in Kaltbrunn

Südostschweiz

Im Anschluss an den Kaltbrunner Markt ist es Freitagnacht zu einer üblen Massenprügelei gekommen. Die Brutalität war erschreckend. 40 Festbesucher waren Teil der furchtbaren Massenschlägerei.

Von Sven Gartung

Kaltbrunn. – Kurz vor zwei Uhr in der Nacht auf Freitag standen auf der Dorfstrasse vor dem Jugendtreff Jumo Dutzende bierselige Besucher des Kaltbrunner Marktes zusammen, diskutierten, lachten, tanzten zur Musik – und prosteten sich zu. Eine Gruppe von sechs jungen Erwachsenen stand vor dem Zebrastreifen auf der abgesperrten Strasse, unterhielt sich – und trank weiter, wie alle anderen.

Rassistische Pöbeleien

Plötzlich wurden aus einer anderen Gruppe heraus Provokationen laut: «Was wotsch, huere Jugo?» mussten sich einzelne Personen anpöbeln lassen. Es kam zu Wortgefechten, die Deeskalation – «Geh weg, lass uns in Ruhe» – der Angesprochenen zeigte keine Wirkung, ein Rückzug verpuffte ebenso: «Die sind hinter uns hergekommen», sagt ein Beteiligter rückblickend. «Die Stimmung zwischen den meist alkoholisierten Schlägern war extrem aufgeheizt», so die Beobachtungen der Polizei. In der Tat: Alkohol und die Rückendeckung der umstehenden Provokateure heizten den aufgebrachten, pöbelnden Mob nur noch mehr an: Die Drohgebärden nahmen zu, dann flogen die Fäuste. Auch mit Füssen und leeren Flaschen traktierten sich die Schläger, alsdann kamen «von überall her» weitere Aggressoren, wie zwei involvierte Personen unabhängig voneinander berichten.

«Wie ein Ameisenhaufen»

40 Personen zählte die Polizei am Ende, die sich in drei Knäuel ineinander verkeilt hatten – «das war wie ein Ameisenhaufen», so ein Beteiligter – und die auch dann nicht aufhörten zu prügeln, als die acht Polizeibeamten, unterstützt von privaten Sicherheitsleuten, in das Geschehen eingriffen. «Die haben sich sogar mit den Polizisten gerauft», sagt ein weiterer Augenzeuge. Ein Polizist wurde beim Versuch, die Streitenden und Schlagenden voneinander zu trennen, verletzt.

Fünf Verletzte mussten ins Spital

Die Zahl der verletzten Schläger ist unbekannt. Fünf Personen mussten jedenfalls im Spital Linth in Uznach stationär behandelt werden. «Die Zahl der Eingelieferten war aussergewöhnlich hoch, der Anblick der Eingelieferten beschämend», so ein Sprecher des Spitals. Auch am Freitag befanden sich noch mehrere Personen in Spitalpflege. «Typische Verletzungen, wie sie bei Schlägereien vorkommen», hat die Notfallaufnahme in der Nacht auf Freitag registriert: Schnitt- und Platzwunden, Schürf- und Sturzverletzungen, ausgeschlagene Zähne, einen Nasen- sowie einen Jochbeinbruch.

Polizei sucht Augenzeugen

Bei der Rekonstruktion und Klärung der Auseinandersetzung bittet die Polizei Kaltbrunn um die Mithilfe der Bevölkerung. Klar scheint zu sein, dass es sich bei dem Vorfall vor dem Jugendtreff Jumo um einen bereits länger schwelenden Konflikt zwischen Schweizern und Ausländern handelte. Täter und Opfer kennen sich.

Immer wieder ist es nämlich in den vergangenen Jahren zu Auseinandersetzungen mit Schlägereien gekommen. Zuletzt bei der Fasnacht im Februar dieses Jahres, als es zwischen Rechtsextremen und verschiedenen ausländischen Mitbürgern zu hässlichen Handgreiflichkeiten gekommen war. Die Provokationen in der Nacht zu Freitag hätten ebenfalls einen rassistischen Hintergrund gehabt, sagen mehrere Augenzeugen. «Das waren Glatzen, Faschos: Leute, die als rechtsextrem bekannt sind», heisst es über die Aggressoren.

«Die haben sich Mut angetrunken und dann – wie immer in den letzten Jahren – ein Opfer ausgesucht: diesmal war ich dran», sagt einer der Verletzten, den die «Südostschweiz» gestern im Spital gesprochen hat. «Die haben mich angefiggt und provoziert, um sich dann wehren zu können.» Er selbst habe sich passiv verhalten, «weil ich weiss, was passiert wäre, wenn ich zurückgeschlagen hätte: Dann wäre ich der Übeltäter, der Anstifter, der Provokateur gewesen».