Miese Stimmung um Rütlifeier

AargauerZeitung

Überdruss Zu viele Interessen, zu viele Vorschläge ? Unmut um die 1.-August-Feier steigt

Eigentlich sollte an einer Feier die Freude überwiegen ? auch an der Bundesfeier auf dem Rütli. Doch rund um den Vierwaldstättersee wächst der Überdruss am alljährlichen Hickhack und der temporären Umwandlung in eine Festung.

Im Spiel um die Rütlifeier gibt es mehrere Player. Zuerst die Rütlikommission, die verantwortlich ist für die Durchführung. Dann die Urner Regierung, die die Bewilligung erteilt. Dazu kommen die Behörden in Brunnen (Gemeinde Ingenbohl) und die Schwyzer Regierung ? weil der wichtigste Zugang aufs Rütli die Schiffsverbindung ab Brunnen ist.

Polizeipräsenz steigt an

Solange diese Spieler unter sich blieben, gabs keine Probleme. Erst das Auftauchen der Rechtsextremen Ende der Neunzigerjahre und das Echo in den Medien veränderten die Dynamik und riefen die Linken auf den Plan, die jeweils einen Kontrapunkt setzen wollen. Mit dem Resultat, dass die Polizeipräsenz von Jahr zu Jahr wuchs.

2006 kostete die Sicherheit über eine Million Franken. Das war den Urnern und Schwyzer zu viel. «Hinunterfahren» hiess nun die Devise: Eine traditionelle Feier, möglichst ohne nationale Ausstrahlung, war das Ziel. Umso mehr, als der Bund von einer Beteiligung an den Kosten nichts wissen wollte.

Calmy-Rey sorgt für neue Bewegung

Kaum hatte die Urner Regierung ein entsprechendes Gesuch der Rütlikommission bewilligt, sorgten Bun- despräsidentin Micheline Calmy-Rey und Nationalratspräsidentin Christine Egerszegi mit einer neuen Idee wieder für Bewegung und nationale Ausstrahlung. Zwar lancierten die beiden obersten Schweizerinnen keinen eigentlichen Frauentag, wie anfänglich behauptet wurde, wohl aber eine Feier mit überwiegender Frauenbeteiligung. Die Diskussion begann von vorne.

Inzwischen hat die Urner Regierung beschlossen, dass eine solche Feier auch noch drinliegt. Allerdings hatte sie schon früher darauf hingeweisen, dass bei einer Beteiligung von Bundesbehörden sich auch der Bund an den Kosten beteiligen müsse.

Der definitive Entschluss über die Feier ist aber noch nicht gefallen. Die Rütlikommission klärt zurzeit die Machbarkeit der Idee von Calmy-Rey und Egerszegi und ist positiv eingestellt. Laut ihrem Mediensprecher Martin Hofer hat die Ampel seit Ende Januar «von orange auf hellgrün» gewechselt. Der Entscheid soll in den nächsten sechs Wochen gefällt werden.

Genug vom alljährlichen Aufmarsch

Doch nun legt sich Brunnen quer und stösst bei den Schwyzer Kantonsbehörden auf Verständnis. Man hat genug vom jährlichen Aufmarsch von Rechts- und Linksextremen sowie ? in deren Gefolge, der Polizei. Darum plant man am 1. August ein Strassenfest mit Umleitung des Verkehrs und beschränktem Zugang zur Schiffsstation. Auch hier steht der definitive Entscheid aus. Damit würde der schwarze Peter weitergegeben. Die Leute, die aufs Rütli wollen, müssten dann an andere Schiffsstege benützen ? beispielsweise in Uri oder in Luzern.

Rechtsextreme profitieren

Fragt man sich, wer vom Rütli in letzter Zeit vor allem profitiert hat, so gibt es nur eine Antwort: die Rechtsextremen. Sie haben eine Plattform okkupiert sowie die Medienpräsenz. Ob der Strategien gegen die ungeliebten Trittbrettfahrer geraten sich die Hauptakteure in die Haare.