Media-Markt bannt rechtsextreme Musiker

Aargauer Zeitung vom 01.09.2011

Musik Media-Markt und CeDe.ch wollen keine rechtsextreme Ware im Sortiment. Ex Libris pocht dagegen auf die Meinungsvielfalt, iTunes ist es egal.

Stefan Künzli und Pascal Münger

Der Artikel über den bekennenden Rechtsextremen und Antisemiten Varg Vikernes (az vom 10. August) hat für Wirbel gesorgt. Media-Markt, wo die CDs seiner Band Burzum legal verkauft wurden, hat umgehend gehandelt und die Märkte beauftragt, die CDs aus dem Sortiment zu nehmen. «Rechtsextreme, rassistische oder antisemitische Ware hat in unseren Regalen nichts zu suchen», erklärt Séverine de Rougemont unmissverständlich.

Anders sieht man das bei Ex Libris. Hier sind Burzum zwar nicht als physische CD, die Alben aber als Download erhältlich. Dazu noch das Buch «Burzum: Black Speech» von Antony Cummins mit Horrorgeschichten, die auf Gedichten von Varg Vikernes basieren. «Es ist nicht die Aufgabe des Händlers, Zensur zu erteilen», sagt Mediensprecher Roger Huber auf Anfrage, «die Meinungsvielfalt ist in der Schweiz ein wichtiges Gut, deshalb muss auch Burzum Platz haben.» Schliesslich sei auch Hitlers «Mein Kampf» bei Ex Libris erhältlich.

Alles noch viel schlimmer

Bei CeDe.ch hat explizit und eindeutig rechtsextreme Ware keinen Platz. Bei Burzum ist aber der Fall für CeDe.ch nicht so klar. Die Anfrage der az hat eine Geschäftsleitungssitzung ausgelöst. Das Resultat: «Varg Vikernes ist ein äusserst zwiespältiger Zeitgenosse. Seine rechtsextreme Gesinnung kann aber nicht aus seinen Texten herausgelesen werden», erklärt Branch-Manager Dominik Seelos. «Wären sie eindeutig antisemitisch, würden wir das ganze Programm kippen.»

Auf dem Index steht gemäss CeDe.ch dagegen ein Burzum-T-Shirt. «Das bieten wir selbstverständlich nicht an.» Bei Phononet, wo die Schweizer Händler die Ware online bestellen können, wird das T-Shirt aber angeboten. Eine Anfrage der az blieb unbeantwortet.

Sofort aus dem Sortiment von CeDe.ch gestrichen wurden die CDs der Band Halgadom. Die Texte der deutschen Folk-Metal-Band um Frank Krämer handeln hauptsächlich von nordischen Götter- und Heldensagen. Krämer ist aber eindeutig der rechtsextremistischen Szene zuzuordnen. Halgadom war auf der neonazistischen, so genannten Schulhof-CD «Anpassung ist Feigheit» vertreten und 2006 wurde auf der Homepage aus Theodor Fritschs Handbuch der Judenfrage zitiert, ohne die Übernahme kenntlich zu machen.

Froh um Hinweise

Wie kann es vorkommen, dass immer wieder rechtsextreme CDs ins Sortiment rutschen? CeDe.ch verteidigt sich: «Bei der unglaublichen Masse an Interpreten und Bands kann es tatsächlich vorkommen, dass uns eine Band wie Halgadom nicht auffällt. Tatsächlich wussten wir nicht, wer dahintersteckt.» CeDe.ch ist deshalb froh um Hinweise und Aufklärung.

Nicht interessiert am politischen Hintergrund sind offenbar die Verantwortlichen des iTunes Store von Apple. In Sachen Musik mit rechtsextremem Hintergrund ist iTunes der grösste Sünder: Das ganze Werk von Burzum und Halgadom kann dort heruntergeladen werden. Die Fragen der az konnte oder wollte Apple nicht beantworten.