Dieses Jahr keine Krawalle am Buchsi-Märit

Der Bund

MÜNCHENBUCHSEE / Nachdem es in den letzten zwei Jahren zu Zusammenstössen zwischen Skinheads und linken Jugendlichen gekommen war, ging der Dorfmarkt dieses Jahr friedlich über die Bühne. «Die Skin-Szene ist zwar nicht kleiner geworden, doch die Behörden können besser mit ihr umgehen», sagt Gemeinderat Bruno Mohn.

* ISABEL DREWS

Bekannte Buchser Nazis Der traditionelle Dorfmarkt im Zentrum von Münchenbuchsee verlief dieses Jahr bis zum Schluss ruhig. Dies bestätigt Bruno Mohn (sp), der im Gemeinderat für die öffentliche Sicherheit zuständig ist. «Ich bin erleichtert», sagt Mohn auf Anfrage. «Die Polizei musste kein einziges Mal einschreiten.» Die massiven Sicherheitsvorkehrungen der Behörden hätten ihre Wirkung offenbar nicht verfehlt. Zur Erinnerung: Vor zwei Jahren kam es am Buchsi-Märit zu Angriffen von Skinheads auf linke Jugendliche. Letztes Jahr konnte die Polizei im letzten Augenblick dazwischentreten und eine Schlägerei verhindern.

Auswärtige Skins

Zusätzlich zur Buchser Skinhead-Szene, die Mohn auf etwa zehn Leute schätzt, seien gegen Abend noch weitere zehn bis zwanzig Skinheads angereist. Die ganze Gruppe habe bis nach Mitternacht in einem Bierzelt gefeiert. Obwohl die Skinheads zunehmend alkoholisiert gewesen seien, hätten sie «keine Schwierigkeiten» gemacht, sagt Bruno Mohn. «Sobald sie politische Leitsprüche herumgejohlt hätten, wäre die Polizei eingeschritten», versichert er. Da dies bis zum Schluss nicht der Fall gewesen sei, habe die Polizei keine Personenkontrollen durchgeführt. «Deshalb wissen wir nicht, woher die auswärtigen Skins angereist sind», erklärte er.

Öffentlich gemacht

Als Gründe, weshalb der ländlich geprägte Dorfmarkt entlang der Oberdorfstrasse dieses Jahr friedlich verlaufen ist, nennt Mohn einmal die solide Vorbereitung der Polizei, die bis zuletzt Präsenz markiert habe (siehe «Bund» vom Samstag). Wichtig sei auch gewesen, erklärt Gemeinderat Bruno Mohn weiter, dass der Sicherheitsbeauftragte Hans Kuster dieses Jahr sowohl mit den links- als auch mit den rechtsgerichteten Jugendlichen im Vorfeld Gespräche geführt habe. Beide Parteien hätten versprochen, Zusammenstösse zu vermeiden. Im Gegensatz zu den Skins hätten sich die Punks gar nicht erst als Gruppe auf dem Markt versammelt. Entscheidend dafür, dass es dieses Jahr zu keinen Zusammenstössen gekommen ist, sei aber, so Mohn weiter, «dass in Münchenbuchsee die Probleme mit den Skinheads in jüngster Zeit vermehrt öffentlich diskutiert werden». Daraus zieht Mohn das Fazit: «Die Skin-Szene ist zwar nicht kleiner geworden, doch die Behörden können besser mit ihr umgehen.»

Gerüchteküche brodelte

Wie gross die Spannung in der Bevölkerung trotz der Polizeipräsenz dennoch war, zeigte sich bereits am Nachmittag, als das behäbige Treiben des Buchser Dorfmarkts mit Ständen des lokalen Gewerbes und der Vereine – von der Damenriege über die Ludothek bis zur Pfadi – in vollem Gange war. Schon zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Buchser Skinhead-Szene gut sichtbar am Stand der Jungschützen versammelt, wo sie sich im Umgang mit Luftgewehren übte.

Derweil brodelte unter den Verkäufern und den zahlreichen Besuchern die Gerüchteküche: Mehrere Standbesitzer wussten zu berichten, dass zwei Busse mit Skinheads aus dem süddeutschen Raum auf der Anreise seien. «Dieses Gerücht konnten wir nicht bestätigen», sagt Mohn.

Eine Mutter, die anonym bleiben will, erzählt, sie werde ihre Kinder am Abend nicht mehr aus dem Haus lassen. «Wir hatten eigentlich vor, auf die Chilbi zu gehen», sagt sie, doch seit sie von den Gerüchten gehört habe, wolle sie zuhause bleiben. Eine diffuse Angst habe sich auch bei ihr bemerkbar gemacht, erzählt Marianne Kilchenmann von der Buchser Asylgruppe, die auf dem Buchsi-Märit seit zehn Jahren einen Stand mit exotischem Essen betreibt. Sie habe keinen Augenblick an die Zusammenstösse der letzten Jahre gedacht, bis am Samstagnachmittag plötzlich ein Polizeiauto vor ihrem Stand angehalten habe. «Da ist mir der Schreck in die Glieder gefahren», sagt sie; passiert sei jedoch nichts.