Der ach so nette Radikale

Die Wochenzeitung vom 18.3.2010

Rechtsextreme-Dominic «Gixu» Lüthard will für die Pnos in den Berner Grossen Rat. Dafür will der Sänger der rechtsextremen Band Indiziert seine subkulturelle Verankerung vergessen machen.

Hans Stutz

Die Partei National Orientierter Schweizer (Pnos) hält an sich wenig von der parlamentarischen Demokratie, die rechtsextreme Kleinpartei will die Parteien auflösen und die Proporzwahlen abschaffen. So steht es in den Erläuterungen zum Parteiprogramm.

Doch das Endziel ist noch weit entfernt. Vorerst wollen zwei Männer (Raphael Würgler, Dominic Lüthard) und eine Frau (Denise Friedrich) Ende März in den Berner Grossen Rat einziehen. In der Januar-Ausgabe ihrer Zeitschrift «Zeitgeist» meint die Partei gar, es stehe «ausser Frage, dass es kein Ding der Unmöglichkeit» sei, einen der 160 Sitze zu erringen. Besonders aktiv im Wahlkampf ist die Köchin Denise Friedrich, Mitglied des Pnos-Bundesvorstands. Sie will «Schweizer Familien stärken», in ihrem Flugblatt fordert sie ein «staatlich finanziertes Erziehungsgehalt für Mütter und Väter».

Sänger und Politiker

Eine bekannte Vorgehensweise von RechtsextremistInnen: Sie reden von rechtsbürgerlichen Werten und wollen vergessen machen, dass die Pnos der politische Ausdruck einer Subkultur ist, nämlich jener der Naziskinheads und anderer Rechtsextremer. Für die im Herbst 2000 von Blood-and-Honour-Aktivisten gegründete Kleinpartei treten immer wieder auch Leute auf, die Politik und subkulturelles Engagement miteinander verbinden. Wie beispielsweise Dominic Lüthard, seit Jahren im Pnos-Bundesvorstand und Sänger der Band Indiziert.

Lüthard steht seit Tagen im Mittelpunkt einer kleinmütigen Distan zierungsposse. Er engagiere sich, so Lüthard in seiner Wahlkampf-Eigendarstellung, im «örtlichen Tennisclub» und mache «seit Jahren patriotische Musik». Patriotisch? Indiziert-Sänger Lüthard grölt schon mal von «Rassenverrat», «Rassenschande» und «Mulattenflut», in einem Lied bezeichnet er «Euro-Asiaten» als «völkische Zwitter». Im Klartext: kruder biologistisch begründeter Rassismus.

Konzertabbruch

Indiziert ist seit Jahren die bekannteste Band der Schweizer Nazi skin-Szene, mehrfach ist die Band an einschlägigen Konzerten im Ausland aufgetreten. Angekündigt war vor kurzem ein Auftritt am ersten Märzsamstag 2010, organisiert von Aktivisten des Naziskinhead-Netzwerks Blood and Honour. Das ist unbestritten, einen elektronischen Flyer veröffentlichte Indiziert selber auf der Bandwebsite, dieser ist noch immer unter «Offizielle Indiziert-Fangruppe» auf Facebook einsehbar, aufgeschaltet von einem Indiziert-Mitglied. Das Konzert, das zuerst in Belgien hätte stattfinden sollen, wurde nach Polizeiinterventionen kurzzeitig verlegt und fand in der Nähe von Dresden statt. So weit, so unbestritten.

Nach einer Medienmitteilung der Berner Antifa und ersten Medienberichten behauptete Dominic Lüthard, er sei nicht nach Ostdeutschland gefahren, da doch das Konzert illegal gewesen sei. Und Pnos-Medien sprecher Kevin Mareque doppelte nach: Die Geschichte sei «frei erfunden», und die «Journalistengilde» schenke einer «kargen Pressemitteilung von Linksextremen mehr Glauben». Frei erfunden? In einem einschlägigen deutschen Forum erklärt ein offensichtlich gut informierter Schreiber: «Weiterhin waren da: Indiziert & Amok aus der Schweiz. Diese konnten dann aber nicht mehr spielen wegen der Staatsmacht.» Im Klartext: Die Polizei erzwang nach Mitternacht den Abbruch des Konzertes. Mit der Band Amok, gegen die seit November 2007 ein Strafverfahren wegen Drohung und Widerhandlung gegen die Rassismusstrafnorm läuft, war Indiziert bereits Anfang August 2008 an einem Konzert in Bümpliz aufgetreten.

Immer wieder bei Blood and Honour

Der Forumseintrag ist noch kein Beweis, aber eines ist sicher: Im Blood-and-Honour-Umfeld aufgetreten ist Pnos-Kandidat Dominic Lüthard bereits mindestens zweimal, im vergangenen September im italienischen Verona, im September 2008 im französischen Lyon. Beide Konzerte fanden zu Ehren des verunglückten Blood-and-Honour-Mitbegründers Jan Stuart statt. Bei WOZ-Redaktionsschluss war das auch noch auf der Indiziert-Website zu lesen. Aber das kann sich ja schnell ändern.