Skinheads-Angriff

Bieler Tagblatt

3. Dezember 2002Erst tanzen, dann mit Messern stechenDie Skinheads, die am vergangenen frühen Sonntagmorgen an derBahnhofstrasse einen jungen Mann verletzten, stammen nicht aus Biel. Diehiesige Skin-Szene ist auch für Profis nur schwer fassbar.Fredy FreiSie kamen von ausserhalb nach Biel, um in einem Musik-Club in derInnenstadt die Samstagnacht zu verbringen. In den frühen Morgenstundengriff eine Gruppe von rund zehn Skinheads einen jungen Mann an derBahnhofstrasse an und verletzte ihn (es stand im BT).Nach der Attacke flüchteten sie Richtung Bahnhof, wo sie auf einegrössere Gruppe von rund 150 Skinheads trafen. Dies erklärte gesternHeinz Grossen, Kommissär für Ordnung und Sicherheit bei der BielerStadtpolizei. «Wir wissen nicht, woher die Skins kamen. Sie waren abersicher nicht aus der Stadt Biel», so Grossen.Auch die Kantonspolizei Bern kann noch mit keinen neuen Erkenntnissenaufwarten. «Wir sind damit beschäftigt, den Fall weiterzuverfolgen. Wennwir neue Erkenntnisse haben, werden wir wieder informieren», liess sichdie Pressesprecherin der Kantonspolizei Biel, Ursula Stauffer, gerademal entlocken.Dennoch existiert auch eine Bieler Skinhead-Szene, die der Polizei dasLeben schwer macht. «Es handelt sich um etwa 30 bis 50 Personen, meistJugendliche ab 14 Jahren, aber auch ältere, die im Hintergrund die Fädenziehen», weiss Grossen. Er kenne sie alle persönlich, und ihreAufmachung ebenso wie ihr Gedankengut entspreche der landläufigenAuffassung von Skinheads.Seit etwa Mai diesen Jahres hätten die Aktivitäten der Skinheadszugenommen, hat Grossen beobachtet. «Erst kürzlich mussten wir imEisstadion eingreifen, als eine Gruppe von ihnen während einesEHCB-Matches Fahnen aufhängen wollte.» Doch die Szene sei schwerfassbar. «Sie machen per SMS ab, wo und wann sie sich treffen – ein?Vereinslokal? haben sie nicht.»Dass die Skin-Szene in Biel zwar existiert, sich aber kaum manifestiert,beschäftigt auch die Abteilung Jugend und Freizeit des BielerSchulamtes. Leiter Marcel Meier: «Ich denke, Skinheads suchen nicht denKontakt zur Jugendarbeit.»Aber gerade der jüngste Vorfall würde auch in seinem Büro diskutiert.«Ich frage mich allerdings, ob wir die richtige Anlaufstelle sind. Wirsetzen auf Primärprävention, versuchen also, mit verschiedenen Angeboten- Ferienpass, Streetbasket, Mädchenwoche etc. – Gewalt bei Jugendlichengar nicht erst einreissen zu lassen.»Die Zuständigkeit sieht er eher bei den verschiedenen Streetworkern, dieauf der Gasse auf Jugendliche (zum Beispiel Drogenabhängige) zugehen.«Wenn das Problem in Biel aber grösser werden sollte, werden wirversuchen, mit allen Jugendarbeitern ein Netzwerk zu bilden und demProblem zu begegnen», so Meier.Und auch Kommissär Grossen wünscht sich Zusammenarbeit: «Veranstaltervon Konzerten, an denen man mit jungen Skinheads rechnen muss, sollenuns vorgängig über die Veranstaltung informieren, damit wir entsprechenddisponieren können.»