Wie der Untertitel verrät, wollen Frischknecht und Niggli den Wandel der politischen Rechten unter der speziellen Berücksichtigung der welt- und innenpolitischen Ereignisse der ausgehenden 80er Jahre betrachten. So entsteht zwar chronologisch e

Der Bund

Entlang einer Einteilung in zehn Hauptkapitel, die z.T. über hundert Seiten umfassen, haben die Autoren versucht für die politische rechte zentrale Themen aufzugreifen oder aber einzelnen Zusammenhänge detaillierter unter die Lupe zu nehmen. Einen wichtigen Platz nimmt hierbei die reaktionäre Mobilisierung gegen den europäischen Wirtschaftsraum EWR und dann später gegen die Europäische Union ein. Als neues Feindbild und wahlweise Hitlerdeutschland- oder Sowjetunionersatz, musste von nun an die EU hinhalten. Die althergebrachten Feinbilder, die nach 1989 ins Wanken gerieten, konnten so nur kurze Zeit später holzschnittartig und mit derselben Rhetorik weiter am Leben gehalten werden. Obwohl der Kampf gegen den EWR erfolgreich geführt wurde, zeichnete sich eine neue Konstellation ab, die bis heute Bestand haben sollte. War es auf der einen Seite das gemässigte bürgerliche Lager, das im Verbund mit der Sozialdemokratie eine europäische Integration befürwortete, so fanden sich auf der anderen Seite die ehemaligen kalten Krieger, mit dem Unterschied, dass sich der Spreu vom Weizen getrennt hatte, d.h. der vormals hegemoniale Konsens im bürgerlichen Lager war gebrochen und ein nationalkonservatives Spektrum begann sich von da an eigenständig zu etablieren. Frischknecht/Niggli sprechen in diesem Zusammenhang gar von «der ersten schlagkräftigen politischen Rechten seit der Zwischenkriegszeit».Wenn eine derart starke Formulierung verwendet wird, die gar einen direkten Vergleich zu den «Fronten» der dreissiger Jahre zieht, erwartet der Leser auch eine entsprechende Argumentation und Belege dafür – und an denen mangelt es nicht. Mit Akribie recherchierte Beiträge, eine Fülle an zitiertem Material, das den beiden Autoren, wie im Fall der SVP-Postille «Zürcher Bote» gar von Vertretern des Untersuchungsgegenstandes zur Verfügung gestellt wurde, sowie eine Flut von Fakten, die bei einem erstmaligen Lesen nur zu einem Bruchteil haften bleibt. Doch um das Werk auch als Nachschlagewerk zugänglich zu machen – dies wird wohl der Hauptverwendungszweck sein – sind ausführliche Sach- und Personenregister, sowie ein Literaturverzeichnis als Annex zu finden. Hier sind auch die gesamten besprochenen und zitierten Negationisten-Pamphlete, sowie die Tiraden aus Blochers Küche sauber aufgeführt, was bei vergleichbaren Publikation wohl aus Präventionsgründen sonst praktisch nie der Fall ist.

Verglichen mit ansatzweise vergleichbaren Standardwerken, etwa dem «Handbuch deutscher Rechtsextremismus» zeichnet «Rechte Seilschaften» einerseits den weiten Blickwinkel auf die gesamte Rechte aus, andererseits ist der achthundertseiten-Wälzer mehr als nur ein Nachschlagewerk. Auch sprachlich mögen die einzelnen gut gegliederten und z.T. illustrierten Texte zum weiterlesen anregen. Es gelingt den beiden Autoren eine sonst eher trockene Materie mit nicht unwichtigen aber aufheiternden Anekdoten anzureichern. Insgesamt ist «Rechte Seilschaften» ein Buch das mehr als Wert ist unübliche 1400cm3 auf dem Büchergestell einzunehmen.

gru

«Rechte Seilschaften – Wie die ‚unheimlichen Patrioten‘ den Zusammenbruch des Kommunismus meisterten», Peter Niggli und Jürg FrischknechtRotpunktverlag, 54.-