lautstark!
Juli 2008
Nummer 15
Tarnung aufgeflogen
Neonazis ballern und robben mit Schweizer Armeematerial
Da hilft auch kein Tarnanzug:
Die Schweiz wurde im vergangenen
Jahr Schauplatz von «Combat
and Survival»-Ausbildungscamps,
organisiert von deutschen
Neonazis. Mit dabei ein
Fahrzeug mit Schweizer Militärkennzeichen.
Es scheint, als haben deutsche Neonazis
im BedĂĽrfnis nach Abenteuer
und Schlammrobben einen lukrativen
Erwerbszweig entdeckt, wie das
Antifaschistische Infoblatt im Spätsommer
2007 enthĂĽllte (AIB 3.2007).
Sie betreiben Handel mit Militärausrüstungen
und bieten ScharfschĂĽtzenausbildung,
Kampfsport- und
Überlebenstrainings an – alles professionell
und in legalem Rahmen. Auf
ihrer Webseite werben die «Blood &
Honour»-Aktivisten mit Bildern von
Männern beim Schiesstraining in
TarnanzĂĽgen. Weitere Fotos zeigen
Kämpfer, als Laubbäume und
BĂĽsche verkleidet, auf Undercover-
Mission – ein visuelles Highlight.
Doch nicht nur der Umstand, dass
diese paramilitärisch anmutenden
Abenteuercamps von Rechtsextremen
geleitet werden, ist brisant: Ein
Bilderordner auf der Internetseite
fichierte Trainings in der Schweiz. In
einer Szenerie posiert eine Gruppe
Männer in Militäruniform um ein
Fahrzeug mit Schweizer Armeekennzeichen
und lädt Material für die
nächste Übung aus.
Strategischer RĂĽckzug?
Mitte August 2007, kurz nach dem
die deutsche Zeitschrift AIB fĂĽhrende
Personen der «Combat & Survial
School» unter die Lupe genommen
hat und die Verbindungen zur
«Blood & Honour»-Szene publik
machte, verschwanden alle Namen
und Kontaktadressen von der Homepage.
Die Internetseite wurde komplett
ĂĽberarbeitet und auf ein Minimum
an Informationen zurĂĽckgestutzt.
Zufall? Oder wurde den OrganisatorInnen
die Angelegenheit zu
heiss?
Jedenfalls herrscht seither Brachland-
Stimmung auf der Seite. ZukĂĽnftige
Campdaten werden nicht mehr veröffentlicht,
und dem Gästebuch fehlen
jegliche Einträge. Auch die ausführlich
dokumentierende Fotoseite
zu den verschiedenen Lehrgängen ist
verschwunden, womit auch die Bilder
von «Combat & Survival»-
Camps in der Schweiz nicht mehr
eindeutig als solche markiert sind.
Alles erscheint sehr konspirativ,
weder unter dem Link «Ausbildner»
noch «Kontakt» wird man schlauer.
Alle Kontaktadressen sind verschwunden,
und auch das Auto mit
dem Schweizer Militärkennzeichen
ist nicht mehr auf Anhieb zu finden.
Von Neonazis instruiert
Wer steckt hinter den Organisatoren
und Ausbildnern der «Combat &
Survial School» und «Warrior Survival
School» mit ihren paramilitärischen
ZĂĽgen? Als Trainer werden
Personen aus dem Neonazi-Milieu
angepriesen, die auch im Zusammenhang
mit NPD-Aufmärschen
oder freien Kameradschaften aufgefallen
sind.
Einer der genannten Ausbildner ist
Hannes Knoch, ein bekannter
«Blood & Honour»-Aktivist aus
Deutschland. Im März 2008 wurde
er zusammen mit sechs weiteren Personen
fĂĽr die WeiterfĂĽhrung der in
Deutschland verbotenen Organisation
verurteilt. Neben einem Tattoostudio
(«Bulletproof-Tattooing») das
er mit seinem ebenfalls zu einer
Geldstrafe verbrummten Kumpel
Hannes Franke fĂĽhrt, betreibt er
einen Online-Shop für Militärausrüstung
mit elitärem Anspruch. Knoch
profitiert von seinem weitläufigen
Kontaktnetz und ĂĽbernimmt eine
Scharnierfunktion zwischen der Neonaziszene
und dem Kampfsport-
Milieu.
Die DurchfĂĽhrung von Trainingscamps
durch externe Firmen, die von
der Schweizer Armee ideell und wohl
auch materiell unterstĂĽtzt werden, ist
gang und gäbe. Sie fungieren auf der
Homepage des Departements fĂĽr
Verteidigung Bevölkerungsschutz
und Sport (VBS). Auch die Tatsache,
dass das Militär ein zunehmendes
(Abgrenzungs-)Problem zu rechtsextremen
Aspiranten hat, ist kein
Novum. Doch wie gelangt ein
Schweizer Militärfahrzeug auf ein
Foto, das einen «Combat & Survival
»-Lehrgang dokumentiert, der von
Führungspersönlichkeiten aus dem
deutschen «Blood & Honour»-Zirkel
angeboten wurde?
|