lautstark!
Juli 2008
Nummer 15
Was bisher geschah
Kurzmeldungen
Schwarze Schafe legen sich
quer
Am 6. Oktober 2007 wollte die
Schweizerische Volkspartei (SVP) zur
Krönung ihres reisserischen und rassistischen
Wahlkampfes unter dem
Motto «Marsch nach Bern» durch
die Stadt Bern ziehen. Die SVP rief
mit ihrem Vorhaben zahlreiche GegnerInnen
auf den Plan: So protestierte
das Komitee «Das schwarze
Schaf» mit einer Gegenkundgebung
auf dem Münsterplatz, verschiedene
autonome und antifaschistische
Gruppen ihrerseits riefen zu direkten
Aktionen auf.
Auf dem Münsterplatz fand ab Mittag
ein gut besuchtes Fest gegen Rassismus
statt. Zwischen den Konzerten
gab es diverse Redebeiträge und
Statements. Währenddessen kam es
zu verschiedenen, zum Teil militanten
Aktionen gegen den Aufmarsch
der SVP. Der Widerstand in der
Innenstadt war vielfältig und effektiv:
Die SVP musste ihre Abschlusskundgebung
schliesslich beim Bärengraben
abhalten, der Gang auf den
Bundesplatz blieb ihr verwehrt.
Bleiberecht jetzt!
Rund 3000 Flüchtlinge und SympathisantInnen
haben am 19. April
2008 in Zürich lautstark ein kollektives
Bleiberecht für Menschen, welche
seit Jahren hier leben, gefordert. Die
Demonstranten verlangten ein radikales
Umdenken in der aktuellen
Asylpolitik. Während in vielen europäischen
Ländern ein solches Bleiberecht
diskutiert wird oder längst umgesetzt
wurde und selbst die EU
ihren Mitgliedsstaaten diesen Schritt
empfiehlt, findet in der Schweiz nicht
einmal eine öffentliche Debatte darüber
statt. Dieser Umstand zeigt, wie
sehr sich die politischen Parteien in
der Schweiz von einer lösungsorientierten
Migrationspolitik verabschiedet
haben und tatkräftig mitarbeiten
an einem System, welches Menschen
ausgrenzt und diskriminiert.
Ob nun als papierlose Billiglohnarbeiter,
als abgewiesene Flüchtlinge
oder als vorläufig Aufgenommene: Es
kann nicht sein, dass Menschen über
zehn Jahre in einem Dauerprovisorium
hier leben müssen. Dieser
Zustand macht krank und ist inakzeptabel!
Beim Abstimmungskampf
um das neue Asylgesetz wurde versprochen,
dass anhand der Härtefallregelung
ein Instrument geschaffen
wird, welches eine geregelte Aufenthaltsbewilligung
für Menschen
ermöglicht, die schon Jahre hier
leben. Der Kanton Zürich beispielsweise
ignorierte bis anhin diese Massnahme
- in keinem anderen Kanton
der Schweiz wird die Härtefallregelung
so restriktiv umgesetzt. Die
angenommenen Gesuche können an
einer Hand abgezählt werden.
8. März – internationaler Frauenkampftag
Unter dem Motto «Frauen, die
kämpfen, sind Frauen, die leben!»
versammelten sich am 8. März 2008
rund 500 Frauen auf dem Hechtplatz
in Zürich, um den internationalen
Frauenkampftag kraftvoll und kämpferisch
zu feiern. Der Parole wurde
auf vielen Bildern von berühmten
und unbekannten Kämpferinnen
Ausdruck verliehen: «Damit wollen
wir die vielen Frauen sichtbar
machen, die gestern und heute, hier
und international gekämpft haben
und kämpfen.» Nach der Eröffnungsrede
zur Geschichte und Bedeutung
des 8. Märzes ging die Demonstration
via Limmatquai zum Helvetiaplatz.
Es wurde darauf aufmerksam
gemacht, dass weltweit Frauen für
bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen
kämpfen, nicht nur am
8. März.
Bern: Doch ein 1.-Mai-Umzug
In Bern haben die Gewerkschaften
den 1.-Mai-Umzug aufgrund des
Auffahrtstages kurzerhand abgesagt.
Deshalb hat sich ein gewerkschaftsunabhängiges
1.-Mai-Bündnis gebildet
und zur Demo aufgerufen. Rund
200 Personen beteiligten sich am
frühmorgendlichen Gang durch die
Altstadt. An der offiziellen Platzkundgebung
mit den Gewerkschaften
nahmen rund 500 Leute teil. Als der
SP-Stadtpräsident Alexander Tschäppät
seine Rede hielt, wurde er ausgepfiffen
und mit Wasserballonen
beworfen. Es formierte sich eine weitere
Demo - weg von der Kundgebung,
ab durch die Berner Innenstadt.
Zürich: 1. Mai am 1. Mai
In Zürich nahmen rund 10'000 Personen
an der offiziellen Grossdemonstration
durch die Zürcher Innenstadt
teil. Im Anschluss an die Demo
fand ein vom Bündnis «1. Mai am
1. Mai» organisiertes Konzert, u.a.
mit den unverwüstlichen «UK Subs»,
statt. Das Areal wurde hermetisch
von der Polizei abgeriegelt. Vor Konzertbeginn
stürmten Polizeigrenadiere
den Platz und kontrollierten die
rund 1000 Anwesenden. Mit einer
massiven Polizeipräsenz waren auch
die rund 2000 Personen auf dem
Helvetiaplatz konfrontiert, die ebenfalls
die Konzerte hören wollten, aber
nicht auf das Areal gelassen wurden.
Zu einem gravierenden Zwischenfall
kam es an der Dienerstrasse, als ein
Autofahrer in eine Menschenmenge
fuhr und dabei zwei Menschen
schwer verletzte.
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