lautstark!
Juli 2008
Nummer 15
Ohne Katz-und-Maus-Spiel
Konzertparadies Kanton Bern
Die Häufigkeit sowie die Durchführungsart
von Rechtsrock-
Konzerten im Berner Mittelland
verdeutlichen die Toleranz von
Behörden und VermieterInnen
und verweisen zudem auf den
relativ hohen Organisationsgrad
der lokalen extremen
Rechten, deren «Stützpunkt»
sich aktuell einmal mehr in
Langenthal befindet.
Die Auseinandersetzungen am Rande
der Auftritte von «Legion of
Thor» (De), «XXX» (De), «Eugenik»
(De) und «Kraftschlag» (De) verursachten
szeneintern den meisten Diskussionsstoff.
Das eigentlich beschauliche
Wimmis im Berner Oberland
erlebte am Abend des 15. März 2008
um ein Haar gewalttätige Auseinandersetzungen
zwischen Exponenten
der verfeindeten rechtsextremen
Organisationen «Blood & Honour»
(B&H) und den «Schweizer Hammerskins
» (SHS). Dass gemeinsame
Besuche von Konzerten auch mit
einem Abbruch dieser enden können,
zeigte sich beispielsweise am «Helvetischen
Klangsturm» vom 11. Juni
2005: «Es gab mehrere Verletzte und
Sachbeschädigungen, die Polizei reagierte
sofort und stürmte das Kulturzentrum
und beendete die Veranstaltung
» (Fehler im Original). Laut
einem Bericht über die «Musikveranstaltung
» in Wimmis sei es der «Konsequenz
der Veranstalter» – wobei es
sich nach Angaben der Partei National
Orientierter Schweizer (PNOS)
um «Freie Aktivisten und die PNOS
Berner Oberland» gehandelt hat – zu
verdanken, dass es nur einige Leichtverletzte
und kleine Sachbeschädigungen
gegeben habe. Das Konzert
konnte wie geplant stattfinden, und
die rund 250 BesucherInnen kamen
in den zweifelhaften Genuss, die
deutsche Band «Kraftschlag» in einer
speziellen Besetzung spielen zu hören.
Neben Alexander Rohrbach –
eigentlich Gitarrist bei «Indiziert» –
spielte auch Mario Friso mit, dessen
PNOS-Parteikamerad Jordi de Kron
(Vorsitzendes der PNOS-Sektion
Berner Oberland), die zum Nazikonzertlokal
umfunktionierte und zur
Schulanlage «Chrümig» gehörende
Halle angemietet hatte. Die Beweggründe,
für die dann doch noch verhinderte
Prügelei, schildert ein anderer
Besucher wie folgt: Den Exponenten
von «28» (B&H) sei der Einlass
zum Konzert verwehrt worden,
auch wenn sie «ohne jegliche Schlägereiabsichten
» angereist seien. So
kam es zu «Tumulten» und «heissen
Disskusionen». Später «forderte
mann mehrere Person aus dem SHS
Umfeld auf, sich zu stellen und den
Bruderkrieg in einem 10 gegen 10
auszutragen, die verlierende Seite
wird ihre Organisation auflösen und
gut ist es».
Wenig Empörung in der Öffentlichkeit
Eine öffentliche Auseinandersetzung
über den Anlass sowie das Verhalten
der Polizei oder der Schulbehörde
fand einmal mehr kaum statt, was
aufzeigt, dass Konzerte dieser Art
ausserhalb der extremen Rechten
nahezu kein Diskussionsthema mehr
sind. Wohl auch dank der Medienmitteilung
der «Antifa Oberland» sah
sich die Berner Kantonspolizei
gezwungen, wenigstens ein kurzes
Communiqué zu veröffentlichen,
worauf dann auch die lokalen
Medien ihre sich immer gleichenden
Berichte verfassten.
Das am Schleusungspunkt in Muri
BE postierte Polizeiaufgebot war
zwar nicht zu übersehen, änderte am
Verlauf des Konzertabends im Berner
Oberland jedoch nichts. Etwas
anders ging die Polizei drei Wochen
später bei einem nächsten Neonazi-
Konzert vor: «Ca fait chier quand on
pense à ce que ça aurait pu être, mais
on est quand même vainqueur car un
concert a quand même eux lieux avec
une super ambience.» Den ursprünglich
geplanten Veranstaltungsort im
Raum Yverdon mussten die Veranstalter
kurzfristig aufgeben, und so
erstaunte weder die verwaiste Autobahnraststätte
noch das kleine dort
anzutreffende Polizeiaufgebot.
Anstelle von gross angelegten Verkehrs-
und Personenkontrollen an
Schleusenpunkten können die jeweils
doch so überraschten wie überforderten
Dörfer und Gemeinden, die doch
so unwillkommenen Rechtsextremen
einfach durch die Kündigung des
Veranstaltungslokales loswerden.
Damit löst sich das eigentliche Problem
zwar nicht, jedoch braucht sich
keine Ortschaft mehr um ihren Ruf
zu fürchten – aus den Augen, aus
dem Sinn? Mehr oder weniger spontanes
Umplanen war angesagt, damit
die drei Bands «The Kriminals» (It),
«Legitima Offesa» (It) und «Indiziert
» (CH) am 5. April doch noch zu
ihrem Auftritt kamen. Die Verlegung
des Veranstaltungsortes in den Kanton
Bern, genauer nach Roggwil,
lässt sich sowohl durch das zuvorkommende
Vorgehen der hiesigen
Kantonspolizei, Behörden und den
diversen VermieterInnen als auch
den vergleichsweise hohen
Organisationsgrad der mittelländischen
extremen Rechten erklären.
Dieses Mal diente zudem der Treffpunkt
in der ehemaligen Porzellanfabrik
in Langenthal als Ausgangs- und
Stützpunkt, was zusätzlich den Stellenwert
verdeutlicht, den solche
Räumlichkeiten für die rechtsextreme
Szene als Ganzes
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