lautstark!
Juli 2008
Nummer 15
Wo sich die extreme Rechte zuhause fĂĽhlt...
Das Städtchen Burgdorf und sein Rechtsextremismus-Problem
Burgdorf wird gerne als attraktiver
Lebens- und Wohnort angepriesen,
nicht zu nah und nicht
zu fern von den Zentren der
Welt. Sowohl im Bildungs-, im
Verkehrs- als auch im Energiebereich
gilt Burgdorf als
Modellstadt: Ein verschlafenes
Provinzstädtchen für junge,
kleinbĂĽrgerliche Familien. Und
dennoch – oder gerade deshalb –
gerät Burgdorf immer wieder
im Zusammenhang mit Rechtsextremismus
in den Blickpunkt
der Ă–ffentlichkeit.
Der Burgdorfer Gemeinderat, allen
voran Stadtpräsident Haldimann,
sieht sich darum des Öfteren genötigt
Burgdorfs angekratztes Kleinstadtimage
wieder gerade biegen zu mĂĽssen.
Unlängst wurde gar eine fragwürdige
Gewaltstudie beim Psychologen
Allan GuggenbĂĽhl in Auftrag
gegeben. Dieser schaffte es, aller Kritik
zum Trotz, Burgdorfs Probleme
mit Gewalt und Rechtsextremismus
zu negieren. Und dies obwohl auch
neuere Beispiele eindeutig aufzeigen,
dass die Stadt sehr wohl ein Problem
mit Gewalt und vor allem Rechtsextremismus
hat. Neben regelmässigen
Angriffen von Neonazis auf Andersdenkende
an den Stadtfesten Kornhausmesse
und Solätte, dient die fast
menschenleere Altstadt nämlich häufig
als Schauplatz von Ăśbergriffen
oder Ansammlungen von Exponenten
der extremen Rechten.
Rechtsrock-Konzert in 4-Sterne-
Hotel
Auch kurz vor Weihnachten 2007
musste die Burgdorfer Oberstadt
wieder einmal als Treffpunkt dieser
Szene hinhalten: Als Weihnachtsfeier
getarnt, veranstaltete die ursprĂĽnglich
aus Burgdorf stammende
Rechtsrock-Band Indiziert am
22. Dezember 2007 ein Konzert im
Stadthauskeller. So konnten sich ĂĽber
100 Rechtsextreme, kaum behelligt
von Polizei und Behörden, ungestört
im Untergeschoss des 4-Sterne-
Hotels Stadthaus tummeln.
Der Stadthaus-Verantwortliche Stefan
Kläy leugnete damals, gewusst zu
haben, dass Indiziert der rechtsextremen
Szene angehört. Dies obwohl er
selber auch gerne in der rechten
Burgdorfer Teddy-Szene verkehrt.
Da sich die extreme Rechte und die
Teddy-Szene in Burgdorf zumindest
teilweise vermischen, fällt es etwas
schwer zu glauben, dass besagter
Herr Kläy so ahnungslos war, wie er
dies beteuerte.
Kein Aufschrei
Bei besagtem Konzert zum Jahresausklang
handelte es sich schon um
den zweiten solchen Anlass in der
Burgdorfer Oberstadt. Bereits im
Sommer 2006 war es der Band
gelungen, einen Keller zu mieten und
vor kleinem Publikum aufzutreten.
Was damals noch zu einem öffentlichen
Aufschrei fĂĽhrte, scheint heute
kaum jemanden mehr zu stören:
Obwohl lokale PolitikerInnen 2006
noch beteuerten, dass es solche Anlässe
nicht mehr geben darf, lassen
die Burgdorfer Behörden die extreme
Rechte gewähren. Der Auftritt von
Indiziert Ende Dezember 2007 wurde
sowohl von den Burgdorfer
Behörden als auch von den Medien
und EinwohnerInnen schlichtweg
ignoriert.
Einer der Konzertbesucher, Markus
Martig aus AlchenflĂĽh, machte dieser
Tage aus anderen GrĂĽnden von sich
reden: Martig, ehemaliges Mitglied
der Nationalen Offensive, heute bei
den Hammerskins aktiv, stellte sich
als Vorsitzender der im Februar 2008
neu gegrĂĽndeten PNOS-Sektion
Emmental vor. Bislang scheint die
Partei in der Region aber noch nicht
sonderlich aktiv zu sein. Aufmerksamkeit
wurde der Sektion eher von
anderer Seite zuteil: Eine Stadträtin
der Grünen Freien Liste liess abklären,
ob das Logo der Emmentaler
PNOS-Sektion nicht ein Missbrauch
des Stadtwappens darstelle. Dieses
Vorhaben wurde nun an den
Gemeinderat ĂĽberwiesen, und eine
genaue ĂśberprĂĽfung dĂĽrfte einige
Zeit auf sich warten lassen.
Allem Anschein nach will das offizielle
Burgdorf auch weiterhin nicht
ernsthaft gegen sein Rechtsextremismus-
Problem vorgehen und lieber
wie bisher alle Vorfälle unter den
Teppich kehren. So kann nur gehofft
werden, dass sich die EinwohnerInnen
Burgdorfs der Lösung dieses Problems
selber annehmen werden.
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