lautstark!
März 2006
Nummer 11
"Unheilige Allianzen"
Black Metal zwischen Satanismus, Heidentum und Neonazismus
Ein weiteres Buch in der "reihe antifaschistischer texte", welches sich mit Rechts-Rock
befasst. Jedoch nicht bloss eine Wiederholung des bisher Veröffentlichten, sondern einmal mehr ein Buch, welches sich
einem bestimmten Musikstil annimmt. Christian Dornbusch und Hans-Peter Killguss
beschreiben die rechten bis neonazistischen Tendenzen im Black Metal und überzeugen einmal mehr mit einer umfassenden und gründlich recherchierten Publikation.
Die beiden Autoren wollen mit ihrem Buch einen Beitrag zur Diskussion über den rechten bzw. neonazistischen Flügel im Black Metal leisten. Ihrer Meinung nach dringt deren Gedankengut in einem "erschreckenden Ausmass" in die Black-Metal-Szene ein.
Das Buch gliedert sich in drei Teile. Der erste Abschnitt beschreibt die Entstehungsgeschichte des Black Metal. Einerseits wird auf die Entwicklungen in Skandinavien eingegangen, wo vor ungefähr fünfzehn Jahren der Black Metal in Norwegen "neu
erfunden" worden sei. Andererseits wird die Geschichte des Black Metal in Deutschland skizziert. Im zweiten Teil wird die Szene unter soziologischen Gesichtspunkten beleuchtet. Damit soll diese "jugendkulturelle Gesellungsform" für LeserInnen, die sich bisher noch nicht mir der Thematik beschäftigt haben, greifbar
gemacht werden. Weiter werden die unterschiedlichen Themenfelder des Black Metal analysiert. Dabei wird zunächst auf die Bedeutung der Themenfelder im Black Metal im Allgemeinen eingegangen, um danach aufzuzeigen, welche Bedeutung diese für den rechten Flügel der Genres
haben. Der dritte und abschliessende Teil beschreibt beispielhaft den rechten und/oder neoanzistischen Flügel des "Black-Metal-Underground".
Der erste Teil, "Geschichte des Black Metal", beschreibt auf anschauliche Weise die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte dieses Musikstils und bietet einen guten Überblick: Die wichtigsten Band und Protagonisten der Szene werden vorgestellt, die Differenzierung der Szene wird deutlich. Die unterschiedlichen Themenfelder des Black Metal, welche im zweiten Abschnitt vorgestellt werden, sind für das Verständnis wichtig. "Szene, Image und Inhalt" liefert die Grundlagen sowie die Anknüpfungspunkte rechter und neonazistischer Gruppen, die jeweils hervorgehoben werden. Dieses Kapitel ist auch losgelöst vom Thema Black Metal lesenswert. Werden doch Inhalte und Ideologien beschrieben, welche auch in anderen Zusammenhängen immer wieder auftauchen und oft für das Verständnis oder die Verortung von Gruppierungen nötig sind.
"Black Metal zwischen Underground und Neonazismus", bietet sowohl
einen Überblick über die Szene in Deutschland als auch eine Beschreibung des "NS-Underground" auf
internationaler Ebene. Bands und Projekte sowie unterschiedliche
Zusammenhänge und Verbindungen werden vorgestellt. Abgeschlossen wird das Buch mit einer Beschreibung des nach wie vor gespannten Verhältnisses zwischen neonazistischen Skinheads und den langhaarigen Black-Metal-Fans und deren punktuellen Zusammenarbeit.
Wie bereits angetönt, besticht das Buch mit einer Fülle von Informationen, welche von der akribischen
Recherchearbeit der beiden Autoren zeugen. Hier findet sich jedoch auch der grösste Kritikpunkt: Die LeserInnen werden zum Teil durch die vielen Informationen fast überfordert. Dies verstärkt sich dadurch, dass in allen Teilen des Buches immer wieder Passagen zu finden sind, welche aus
einer Aneinanderreihung von Band-, CD-, Song- und/oder Labelnamen bestehen, die sich über ganze
Abschnitte ziehen kann. Hier wäre manchmal weniger doch wohl etwas besser gewesen. Das Buch eignet sich zwar als Einstiegswerk, jedoch sollte es dann nicht mit dem Anspruch
gelesen werden, alles verarbeiten zu können. Als Nachschlagewerk eignet sich die Veröffentlichung leider nicht. Dazu fehlen zusammenfassenden
Beschreibungen einzelner Bands oder Musiker. Abhilfe schafft da auch das umfangreiche Register nicht.
Das Buch ist nicht nur AntifaschistInnen zu empfehlen, sondern auch
MusikerInnen und insbesondere KonzertveranstalterInnen, welche den Anspruch haben, rechten Bands keine Plattform zu bieten.
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