| Hätte Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben! |
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Am 17. September 2011 marschierten rechtskonservative Abtreibungsgegner_innen durch Zürich. Kurz darauf – am 24.09.2011 – besuchte Papst Benedikt XVI. die Stadt Freiburg im Breisgau. Diese geballte Präsenz christlich-fundamentalistischer , rechtskonservativer Kräfte im öffentlichen Raum soll deshalb zum Anlass genommen werden, einen kritischen Blick auf das von ihnen gepredigte Weltbild zu werfen. Das Hauptanliegen des «Marsches für das Leben» – das Verbot der Abtreibung – ist per se bereits frauenfeindlich. Es leugnet die Entscheidungshoheit einer Frau über ihren Körper und damit deren Recht selbst über Schwangerschaft bzw . den Umgang mit einer –ungewollten – Schwangerschaft bestimmen zu können. Stattdessen sollen Frauen gezwungen werden bei einer Schwangerschaft in jedem Fall ein Kind gebären zu müssen, ungeachtet der Konsequenzen und Einschränkungen, welche für eine Frau damit verbunden sind. Dass Männer, welche in aller Regel bei einer Schwangerschaft nicht ganz unbeteiligt gewesen sind, sich meist einfacher aus der Affäre ziehen können, wird wie vieles andere dabei gerne unter den Teppich gekehrt. Die Tatsache, dass der legale Schwangerschaftsabbruch eine der zentralen Errungenschaften der Frauenbewegung ist und damit eine jartausendealte Praxis aus dem Umfeld von Illegalität und Pfuscherei befreit werden konnte, interessiert dabei nicht. Die 68er Bewegung muss vielmehr als Sündenbock und Ursache aller gesellschaftlichen Degeneration der modernen Zeit hinhalten. Aber nicht nur das Selbstbestimmungsrecht heterosexueller Frauen wird von solchen Kreisen gerne mit Füssen getreten. Auch Menschen, die sich nicht in das vorherrschende heteronormative Rollenbild einfügen können oder wollen, sind diesen «Lebenschützer_innen» ein Dorn im Auge. Die Organisation «Christen für die Wahrheit (cft)», welche zu den Organisatorinnen des Marsches für das Leben gehört, schreibt auf ihrer Homepage: «Nachdem Homosexualität bis in die 1970er-Jahre noch als psychische Störung gegolten hatte, beugte sich die [...] Amerikanische Psychiatrievereinigung APA 1973 dem jahrelangen massiven Druck der Homosexuellenlobby und entfernte diese Diagnose ohne jegliche wissenschaftliche Grundlage aus ihrer Liste.» Die Stigmatisierung homosexueller Einstellung als psychische Krankheit wird dabei gerne zu einem Akt der Fürsorge und Nächstenliebe erklärt: «Dies führte [...] dazu, dass homosexuell empfindende Menschen heute kaum mehr Hilfe erhalten (es ist ja keine Störung mehr) [...].» Die- se Verklärung von Homophobie zu einer Haltung von Verständnis und Toleranz spottet jeder Beschreibung und ist nichts anderes als ein Affront gegenüber allen Menschen, welche nicht in das konservative Bild der lebenslangen, heterosexuellen Paarbeziehung passen (wollen). Ein weiterer wichtiger Organisator des «Marsches für das Leben» ist der Zürcher SVP-Hardliner Daniel Regli, Präsident der «Schweizerischen Familienlobby». Ein Mann, dessen homophobe Einstellung schon fast misssionarischem Eifer geprägt ist. So kämpfte er an vorderster Front gegen die Durchführung der Euro- Pride 2009 in Zürich und brachte damit selbst seine eigene Partei, welche ja nicht unbedingt durch Weltoffenheit besticht, in Erklärungsnot- stand. Patriarchal und Rückständig Nicht nur Abtreibungen werden von diesen christlichen Hassprediger_in- nen bekämpft, nein allgemein zeichnet sich ihr Frauenbild durch seit langem veraltete Ansichten aus, die bereits im 18. Jahrhundert von fortschrittlich denkenden Menschen – wie etwa Olympe de Gouges – angeprangert wurden. So propagiert die «Arbeitsgruppe Jugend und Familie», eine weitere Organisatorin des Anti-Abtreibungsmarsches, ein Familienbild, welches sich am besten mit dem Leitspruch: «Frauen zurück an den Herd», zusammenfassen lässt – Orginalton: «Wir wenden uns gegen den schleichenden Zwang seitens des Staates und der Wirtschaft [...] Mütter zur Aufnahme einer aus- serhäuslichen Erwerbstätigkeit zu nötigen.» Nicht nur ausserhäusliche Erwerbstätigkeit von Frauen sind für diese Organisation unchristliche und abzulehnende Missstände einer dekadenten Gesellschaft. Auch Prostitution, «an Perversität grenzende HIV-Auf- klärungskampagnen» und die staatliche Drogenabgabe werden explizit kritisiert. Dass die Doppelmoral christlicher Kreise (Ablehnung der Verhütung mit Kondomen durch die katholische Kirche, unrealistische Forderung lebenslanger treuer Partnerschaften, etc.) nicht unwesentliche Faktoren für die Existenz dieser «Missstände» sind wird dabei geflissentlich ignoriert. Solche Propaganda erweckt vielmehr den Eindruck, dass gewisse Kreise wohl lieber «Sünder_innen» exorzieren, als gesellschaftliche Probleme pragmatisch lösen würden. Einen weiteren traurigen Höhepunkt aufklärungsfeindlicher, religiöser Verwirrung postulierten die oft Ende 2007. Im Artikel «Wenn Gott keinen Platz mehr haben soll», wurde die Entfernung der Schöpfungslehre gemäss der Bibel aus dem naturwissenschaftlichen Unterricht des Kantons Bern angeprangert. Gleichzeitig wurde dabei der Kreationismus (Lehre von der Entstehung der Welt gemäss der Bibel) zu einer wissenschaftlichen Ansicht hochstilisiert. Ein pseudowissenschaftlicher Erklärungsversuch, welcher der Realität nicht standhalten kann. So leugnen viele Kreationist_innen nicht nur die Existenz der Dinosaurier, nein auch den «Neandertaler» kann es nicht gegeben haben. Die Bezeichung der biblischen Schöpfungslehre als das was es ist, nämlich eine religiöse Fabel, und deren «Verbannung» in das entsprechende Unterichtsfach (Religion) kann von diesen religiösen Spinner_innen nicht akzeptiert werden. Islamfeindlich und Antisemitisch Die stets propagierte Toleranz gegenüber verschrobenen religiösen Ansichten endet jedoch spätestens dort, wo diese nicht mehr mit christlichen Werten und der Bibel als Quelle begründet werden. Während die rechtskonservative Christenlobby Zetter und Mordio schreit, wenn christliche Eltern ihre Kinder nicht mehr von gewissen Schulfächern dispensieren lassen können, fordern sie gleichzeitig insbesondere gegenüber dem Islam eine Haltung der Nulltole- ranz. In der letzten Ausgabe der «Schweizerzeit», dem Hetzblatt von SVP- Hardliner Ulrich Schlüer, verteidigt Daniel Regli seinen Parteikollegen und Gesinnungsfreund in Sachen Islamophobie, Oskar Freysinger. Mit der Diffamierung zweier Tagesanzeiger-Journalisten als kommunistische Schreibtischtäter und Wortklaubereien versucht Regli dabei die islamfeindliche Haltung von Freysinger schönzureden. Interessant ist auch die Tatsache, dass Menschen, welche immer gegen die Frauenbewegung hetzen, plötzlich zu entschlossenen Frauenrechtler_innen werden, solange damit antiislamische Propaganda betrieben werden kann. So berechtigt Kritik am politischen Islam und seinen Auswüchsen auch ist, so unsäglich ist im Gegenzug die oft praktizierte Gleichsetzung von «Moslem und Fromm» und die Ignorierung forstschritlicher Strömungen innerhalb des Islams. So erfreuten sich beispielsweise Jüd_innen und Christ_innen in moslemischen Ländern einer gewissen gesicherten Existenz und Religionsfreiheit, während Ketze_innenverfolgung und Hexenwahn in Europa Alltag waren. Zur Abgrenzung vom «rückständigen und menschenfeindlichen Islam» wird gerne auf die «abendländische Kultur» verwiesen, den Bronn von Aufklärung und Zivilisation. Eine Argumentation, welche an Geschichtsrevisionsimus wohl nur noch durch die Leugnung der Schoah überboten werden kann. Mit derselben Argumentation ( erbreitung der Zivilisation) wurde schliesslich auch der Kolonialismus und die Unterdrückung der halben Welt durch europäische Besatzungsmächte gerechtfertigt. Ebenfalls gerne Verschwiegen wird der Fakt, dass zur «abendländischen Kultur» auch Kreuzzüge, die Zwangschristianisierung Spaniens und insbesondere der christliche Antijudaismus, der Vorläufer des- und ein zentraler Faktor für den nationalsozialistischen Rassenantisemitismus, gehört. Der christliche Antijudaismus ist dabei auch Hauptursache für unzählige antisemitische Pogrome und die Jahrhundertelange Marginalisierung und Stigmatisierung jüdischer Menschen in Europa. Unter diesen V oraussetzungen unkritisch eine «abendländische Tradition» als Mass aller Dinge zu beschwören, kann deshalb mit gutem Gewissen als strukturell antisemitisch bezeichnet werden. Und was sagt der Papst dazu? Aber nicht nur einige verquere «Lebensschützer_innen propagieren dieses rechtskonservative, christlich- fundamentalistische Weltbild. Auch Joseph Ratzinger, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Papst Benedikt XVI., vertritt eine Weltvorstellung, welche an Rückständigkeit schwer zu überbieten ist. Das Oberhaupt der katholischen Kirche predigt seinen Schäflein Werte, welche sich ohne Probleme mit denjenigen der «Lebenschützer_innen» messen lassen, diese in einigen Punkten sogar noch negativ überbieten. Im rechtskonservativen Männerbund der katholischen Kirche kommt Joseph Ratzinger eine besondere Rolle als Vertreter der fortschritsfeindlichsten Elemente innerhalb dieser Institution zu. So erschien ein Artikel Ratzingers mit dem Titel «Freiheit und Wahrheit» im Buch «1848 – Erbe und Auftrag», publiziert vom extrem rechten Aula-Verlag. Herausgeber des Werkes ist unter anderem Otto Scrinzi, ehemaliger SA-Sturmführer. Auch sonst ist das Autorenverzeichnis eine Art Hall of Fame deutschsprachiger Rechtsextremer. Zitiert wurde Ratzingers Beitrag etwa von Holocaustleugner Horst Mahler im Prozess gegen einen anderen Holocaustleugner. Vor seiner Wahl zum Papst, war Ratzinger jahrelang Chef der Glaubenskongregation (Nachfolgeinstitution der Inquisition) und bekämpfte in dieser Funktion die lateinamerikanische Befreiungstheologie, eine gesellschaftkritische, sozialistische Strömung innerhalb der katholischen Kirche. Ebenfalls in seiner Funktion als Chef der Glaubenskongregation unterzeichnete Ratzinger 2005 eine Verfügung, welche Menschen, die entweder «Homosexualität praktizieren, «homosexuelle Tendenzen haben» oder «eine sogenannte homosexuelle Kultur unterstützen», von Priesterseminaren und und den heiligen Weihen ausschliesst. Auch die Sympathie Benedikt XVI. für Faschist_innen aus aller Welt ist nicht zu leugnen. Im Oktober 2007 sprach er 498 Franco-Anhänger selig, die Heiligsprechung weitere Faschisten, wie etwa diejenige von Pius XII. (Papst von Mussolinis Gnaden) ist in Vorbereitung. Lebende Faschisten sind beliebte Gäste, wie etwa der kroatisch-faschistische Sänger Marko Perkovic im November 2009. In Sachen Antisemitismus ist Ratzinger sogar noch eine Stufe schlimmer, als die «Lebenschützer_innen». Mit der Wiedereinführung der lateinischen Messe 2007 wurde auch die judenfeindliche Karfreitagsführbitte «für die perfiden Juden (Oremus et pro perfidis Judae)? wieder eingeführt, wobei das perfide nach Protesten gestrichen wurde. Dieses Gebet ist nicht nur aufs tiefste antisemtisch, sondern war auch häufig Auslöser für antijüdische Pogrome. Ein weiterer Meilenstein in dieser Richtung war auch die Wiederaufnahme der rechtsextremen Piusbruderschaft in den Schoss der Mutter Kirche im Jahre 2009. Die Piusbruderschaft widersetzt sich nicht nur den Beschlüssen des 2. Vatikanischen Konzils, in welchem nach dem zweiten Weltkrieg eine Wiederannähreung der katholischen Kirche an andere Religionen – insbesondere das Judentum – beschlossen wurde, sondern beherbergt auch bekennende Holocaustleugner , wie etwa Richard Williamson in ihren Reihen. Fazit Für alle Menschen, welche sich auf die fortschrittlichen Errungenschaften christlich-jüdischer Tradition (Aufklärung, etc.) beziehen, stellt die Existenz dieser rechtskonservativen und rückständigen Fundamentalist _innen nichts weniger als eine Beleidigung dar. Ihre vorsintflutlichen Ansichten und emanzipationsfeindlichen Forderungen müssen entschieden bekämpft und ihr christlich-religiöses Deckmäntelchen für die von ihnen gepredigte rechtsradikale Scheisse in der Öffentlichkeit zerissen werden. Selbst ihr eigener Anspruch, die Verteidiung «fortschrittlicher abendländischer Errungenschaften» gegen die islamistische Bedrohung, ist zum Scheitern verurteilt. Denn die Bekämpfung der menschenverachtenden Ansichten des politischen Islams wird niemals mittels einer Ideologie gelingen, welche sich nur in einzelnen Details (wie den konkreten Strafen für dieselben Sünden oder der maximalen Anzahl zu unterdrückender Ehefrauen) von den Ansichten etwa der Taliban, unterscheidet. Keine religiöse Ausrede auf dieser Welt rechtfertigt die Unterdrückung Andersdenkender oder die Indokritinierung von Menschen mit solchen Wertvorstellungen. Religiöse Überzeugungen sind Privatsache und haben weder im öffentlichen Raum noch in der Schule oder anderen säkularen Institutionen etwas zu suchen. |
| Sa, 02.Juni 2012 - Tanz dich Frei 2.0 - Strassenfest in Bern |
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Treffpunkt: 20:00 Uhr / Vorplatz Reitschule Spiel doch mit – sei dabei – tanz dich frei - zwei!
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