24. Juni 2008
Die Sempacher Schlachtfeier als Rütli-Ersatz
«Heil dir Helvetia singen»
Die Sempacher Schlachtfeier als Rütli-Ersatz
In der rechtsextremen Szene mobilisiert die Partei National Orientierter Schweizer (PNOS)
seit einigen Wochen zur Teilnahme an der Schlachtfeier bei Sempach. Dieser Anlass
avancierte in den letzten Jahren immer mehr zum Neonazitreffpunkt.
Die Rechtsextremen haben damit eine Alternative zum Rütli gefunden, wie sie selber in
einschlägigen Internetforen bestätigen. Ein Aufruf der PNOS zur Sempacherfeier vom
letzten Jahr endete mit folgenden Worten: «Wenn sie uns eben nicht mehr aufs Rütli
lassen, dann gehen wir eben sonst wo hin.»
Letztes Jahr waren es rund 160 Szene-Leute, die dem Ruf der rechtsextremen Organisationen
- u.a. Helvetische Jugend, Hammerskins und PNOS - folgten. Sie marschierten am Umzug mit
und nahmen an den Feierlichkeiten teil. Im Anschluss an die offiziellen Reden sammelten
sich die Rechtsextremen beim Winkelried-Gedenkstein, sangen die alte Nationalhymne «Heil
dir Helvetia» ab und legten dort mit viel Pathos einen Kranz nieder. Das Zitat auf dessen
Kranzschleife endete mit dem Begriff «Harus»: Ein Gruss, den bereits die Fröntler der
Zwischenkriegszeit pflegten. Durch die Zeremonie dieses exklusiven Teils der
Schlachtfeier führten unter anderem die lokal verankerte Gruppierung Morgenstern und die
PNOS. Damit waren die Neonazis nicht nur TeilnehmerInnen des Anlasses, sondern prägten
die Veranstaltung auch nach ihrem Gusto mit.
Dass Rechtsextreme der Schlachtfeier mit ihrer Präsenz und ihrem Ritual eine eigene Note
verpassen, stört die OrganisatorInnen und LokalpolitikerInnen laut eigenen Angaben
allerdings nicht. Anton Schweingruber (Regierungsrat LU) meinte letztes Jahr gegenüber
Tele Tell: «Solange sie sich anständig und ruhig verhalten habe ich nichts dagegen. Wir
haben eine Versammlungsfreiheit. Es darf sich jeder hier präsentieren, und ich habe jetzt
gar nicht den Eindruck, dass sie gestört haben.» Als ob die Frage der Duldung einer
politischen Selbstinszenierung von Neonazis allein von Aspekte des Anstandes und der Ruhe
abhängen würden.
Diese TeilnehmerInnen der Schlachtfeier bei Sempach sind Mitglieder rechtsextremer
Organisationen. Sie vertreten ein Weltbild, das Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres
sexuellen Orientierung oder ihrer politischen Einstellung auf brutale Weise
diskriminiert. Ein Weltbild, das an nationalsozialistische und faschistische
Wertvorstellungen anknüpft, das die Macht des Stärkeren und die Ungleichheit der Menschen
postuliert. Mit dem Aufmarsch in Sempach werden diese Wertvorstellungen zum Ausdruck
gebracht und legitimiert. Es ist eine Manifestation dieser Politik und dient zur Stärkung
des Gemeinschaftsgefühls der rechtsextremen Bewegung.
Ob Rütli oder Sempach ? keine Plattform für Neonazis!
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