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Sonntagsblick vom 18.07.99

RASSISTEN IN DER SCHWEIZ

Geheimes Faschistentreffen bei Müllheim TG

Schweizer Neonazis machen mobil

VON CARL JUST UND MARTIN MEIER

Müllheim TG - Achtung Neonazis! Rechtsextreme Schlägertrupps haben Zulauf wie seit Jahren nicht mehr. Und: Die Anschläge auf Asylunterkünfte und Ausländer häufen sich. Im Thurgau versammelten sich die Schläger gestern zum geheimen Fest.

Müllheim TG, gestern Samstagnachmittag: Am Bahnhof versammeln sich die ersten Skinheads - glatzköpfig, nackter Oberkörper, schwarze Lederhosen. Die nahe Unterführung verunstaltet ein riesiges, hingespraytes «Sieg Heil». PKWs bringen die Neonazis auf Schleichwegen hoch ins nahe gelegene Langenhart. Am Waldrand ein Festzelt, dekoriert mit grossen Neonazi-Fahnen, ein Generator und jede Menge Bierkästen. Aus den Megalautsprechern ertönt Primitiv-Rock, untermalt vom Lärm einer Kreissäge.
Das klandestine Gehabe der Neonazis nützt ihnen nichts - die Bundespolizei weiss längst von dem geheimen Fest der braunen Schläger. Beamte der Thurgauer Kripo observieren das unheimliche Treffen.
«Die Treffs werden per Telefonbeantworter, Mund-zu-Mund-Propaganda, auf verschlüsselten Internet-Seiten und per Flugblatt bekannt gegeben», sagt ein Ermittler. «Wenn immer möglich, sind wir am Ort, markieren Präsenz, bevor etwas passiert.»
Jürg Bühler, Vizechef der Bundespolizei, warnt: «Skinheads und andere Neonazi-Gruppen haben Zulauf wie schon lange nicht mehr!»
Ein ähnlich grosses Gefahrenpotenzial aus der rechtsextremen Ecke bestand Anfang der 90er-Jahre mit Marcel Strebels patriotischer Front. Und 1995, als eine Serie von Gewalttaten in einem brutalen Überfall auf ein «Festival der Völkerfreundschaft» in Hochdorf LU endete.
«Immer, wenn Täter ergriffen und exemplarisch bestraft wurden, kehrte etwas Ruhe ein», sagt Bupo-Mann Bühler. «Danach kommt eine neue Welle - wie jetzt.»
Die schlimmsten Gewaltakte der letzten vier Wochen:

  • Am 19. Juni überfallen Skinheads in Winterthur eine Gruppe von Punks. Zwölf Nazi-Schläger werden verhaftet.
  • In Chavannes-près-Renes bei Lausanne ging in der ersten Juliwoche eine Zivilschutzanlage in Flammen auf. Am nächsten Tag hätten in den Bunker 130 Kosovo-Flüchtlinge einziehen sollen.
  • Am 9. Juli attackierten zwei Jugendliche in Wienacht AR ein Asylantenheim und brüllten «Ausländer raus!».
  • Am vergangenen Sonntag warfen Rechtsradikale zwei Brandsätze gegen die Flüchtlingsunterkunft in Rümlang ZH. Dieselbe Einrichtung wurde innerhalb nur eines Jahres zum sechstenmal von Neonazis angegriffen.
    Gestern Samstag mobilisierte in Rümlang die Gegenseite - mit einer friedlichen Demonstration. «Rassisten und Nazis, verpisst euch!» stand auf ihrem Transparent.
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